Aktuelles

"Der Reformator Martin Luther 2017" jetzt auch als Paperback

Pünktlich zum diesjährigen Reformationsjubiläum hat der Verlag De Gruyter/Oldenbourg den in der Reihe „Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien“ als Hardcover publizierten Band „Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ in einer kostengünstigen Paperback-Ausgabe herausgebracht. 16 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen darin ihre Forschungsergebnisse zum Reformator und zu dessen 500-jähriger Rezeptionsgeschichte vor. Das Werk geht auf eine Tagung zurück, die der bekannte Frühneuzeithistoriker und Luther-Biograf Heinz Schilling im Historischen Kolleg abgehalten hat.

Nach den Worten Schillings vollzieht der Band in doppelter Hinsicht eine radikale Historisierung: „Zum einen stellt er das Fremde des Reformationsjahrhunderts und die im Vergleich zu heute anderen Bedingungen des Denkens und Handelns Luthers und seiner Zeitgenossen heraus. Zum anderen versucht er, eine 500-jährige Rezeptionsgeschichte in archäologischen Schichten abzutragen, um zu Luther vorzustoßen, aber auch um die weltgeschichtlichen Auswirkungen zu verstehen.“ Damit, so der Herausgeber, trage das Buch dazu bei, die öffentliche Diskussion über die Reformation und deren Folgen auf eine geschichtswissenschaftliche Grundlage zu stellen.

„Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ ist als Band 92 der Reihe „Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien“ im Verlag De Gruyter/Oldenbourg erschienen. Eine Übersicht über die gesamte Reihe sowie zahlreiche Bände als pdf-Datei zum kostenlosen Herunterladen und Durchsuchen finden sich auf der Homepage des Historischen Kollegs.

Heinz Schilling (Hg.): Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme. Berlin/Boston 2017, XVII, 309 S., ISBN 978-3-11-055499-1, 19,95 €

Der Band „Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ ist nun in einer kostengünstigen Paperback-Ausgabe erschienen
Der Band „Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ ist nun in einer kostengünstigen Paperback-Ausgabe erschienen

Jahresbericht 2015/2016 des Historischen Kollegs erschienen

Der Bericht über das 36. Kollegjahr ist erschienen. Auf 24 Seiten lässt das Historische Kolleg die Ereignisse des Jahres 2015/2016 Revue passieren. Neben Informationen zu den Fellows und zu dem im November 2016 an Karl Schlögel verliehenen Preis des Historischen Kollegs gibt die Publikation Auskunft über Tätigkeiten, Veranstaltungen, Berufungen, Auszeichnungen, Publikationen, Finanzierung, personelle Veränderungen und Kooperationen der Einrichtung. Zudem gewährt Dr. Korinna Schönhärl, Förderstipendiatin im Kollegjahr 2016/2017, in einem Interview Einblicke in ihr Forschungsprojekt ("Finanziers in Sehnsuchtsräumen. Europäische Banken und Griechenland im 19. Jahrhundert"), berichtet von ihren persönlichen Erlebnissen am Historischen Kolleg und erläutert, was sich in der Wissenschaft in Zukunft tun muss, damit mehr junge Eltern eine akademische Karriere anstreben. Der reich bebilderte Jahresbericht ist – wie alle Berichte seit 2002 – auf der Homepage des Historischen Kollegs zum kostenlosen Download abrufbar.

Der Jahresbericht 2015/2016 des Historischen Kollegs erschienen
Der Jahresbericht 2015/2016 des Historischen Kollegs erschienen

Neuerscheinung: Monarchische Herrschaft im Altertum

Ein Großteil der Staaten in der Antike waren Monarchien. Umso erstaunlicher ist es, dass bislang keine systematische epochen- und kulturverglei­chende Untersuchung dieses Phänomens existierte. Der neue Band aus der Reihe "Schriften des Histori­schen Kollegs. Kolloquien" schließt diese Lücke. Stefan Rebenich und 26 weitere ausgewiesene Spe­zialistinnen und Spezialisten nehmen die Allein­herr­schaft von Ägypten und dem Alten Orient über die griechisch-römische Antike bis in die Spätantike, das Frühmittelalter und die frühislamische Zeit in den Blick. Vergleichend werden das alte China und die Rezeptionsgeschichte betrachtet.

Der Band geht auf das Fachkolloquium "Monarchische Herrschaft im Altertum" zurück, das Professor Dr. Stefan Rebenich im Januar 2014 am Historischen Kolleg durchgeführt hat. Stefan Rebenich war im Kollegjahr 2013/2014 Senior Fellow des Historischen Kollegs München. Er ist Professor für Alte Geschichte und Rezeptionsgeschichte der Antike an der Universität Bern. Mittel für das Stipendium und das Kolloquium hat die Fritz Thyssen Stiftung zur Verfügung gestellt. Herausgegeben wurde der Kolloquiumsband 94 von Stefan Rebenich unter Mitarbeit von Dr. Johannes Wienand, der ab Oktober 2017 als Junior Fellow am Historischen Kolleg über "Die Politisierung des Todes: Die Epitaphios Logos im demokratischen Athen" forschen wird.

"Monarchische Herrschaft im Altertum" ist als Band 94 der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien" im Verlag De Gruyter/Oldenbourg erschienen. Eine Übersicht über die gesamte Reihe sowie zahlreiche Bände als pdf-Datei zum kostenlosen Herunterladen und Durchsuchen finden sich auf der Homepage des Historischen Kollegs.

 

Stefan Rebenich (Hg.): Monarchische Herrschaft im Altertum. Berlin/Boston 2017, XIII, 678 S. ISBN 978-3-11-046385-9, 139,95 €

Band 94 der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien" von Stefan Rebenich ist erschienen
Band 94 der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien" von Stefan Rebenich ist erschienen

Aufsatz Benjamin Schellers über sein Forschungsprojekt am Historischen Kolleg in der Historischen Zeitschrift erschienen

Benjamin Scheller, derzeit Senior Fellow am Historischen Kolleg, präsentiert in der neuesten Ausgabe der renommierten Historischen Zeitschrift (HZ 304/2, April 2017, S. 305-331) erste Erkenntnisse seines Forschungsprojekts über Seeversicherungen im Mittelalter. In dem Aufsatz "Die Geburt des Risikos. Kontingenz und kaufmännische Praxis im mediterranen Seehandel des Hoch- und Spätmittelalters" zeigt er auf, wie sich das Konzept des Risikos seit dem 12. Jahrhundert entwickelte und wie die als Reaktion darauf im 14. Jahrhundert entstehenden Seehandelsversicherungen kalkuliert wurden. Mit dem in der HZ dargelegten Thema beschäftigt sich der Essener Professor für die Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit während seines aktuellen Kollegjahres in München. Unmittelbare Einblicke in seine Forschungen und die Möglichkeit zur Diskussion seiner Thesen bietet sein öffentlicher Vortrag am 3. Juli um 19 Uhr in der Kaulbach-Villa. An diesem Abend wird Benjamin Scheller zum Thema "Experten des Risikos. Informationsmanagement, Wissensproduktion und die Seeversicherung im Europa des Spätmittelalters" referieren. Dazu ergeht herzliche Einladung.

Professor Dr. Benjamin Scheller, derzeit Fellow am Historischen Kolleg, präsentiert in der Historischen Zeitschrift erste Erkenntnisse aus seinem Forschungsprojekt
Professor Dr. Benjamin Scheller, derzeit Fellow am Historischen Kolleg, präsentiert in der Historischen Zeitschrift erste Erkenntnisse aus seinem Forschungsprojekt

Honorary Fellow Yfaat Weiss zur Direktorin des Simon-Dubnow-Instituts berufen

Yfaat Weiss, derzeit Honorary Fellow am Historischen Kolleg, leitet zukünftig das Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur. Damit tritt sie die Nachfolge von Raphael Gross an, der seit November 2016 Direktor des Deutschen Historischen Museums ist. Das an der Universität Leipzig angesiedelte Simon-Dubnow-Institut ist eine international renommierte Forschungseinrichtung und seit Kurzem Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Yfaat Weiss hat in Hamburg studiert und wurde 1997 in Tel Aviv promoviert. Nach Stationen in München und Haifa ist sie seit 2008 Professorin für Jüdische Geschichte in Jerusalem. Unter anderem wurde sie 2012 mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung ihres Buches "Verdrängte Nachbarn. Wadi Salib – Haifas enteignete Erinnerung" ausgezeichnet.

Noch bis August 2017 ist Yfaat Weiss als Honorary Fellow am Historischen Kolleg zu Gast. In München erforscht sie derzeit die Geschichte der Enklave auf dem Jerusalemer Skopusberg in den Jahren 1948 bis 1967. Einblicke in dieses Projekt gewährt die Historikerin am 26. Juni ab 19 Uhr im Rahmen eines öffentlichen Vortrags in der Münchner Kaulbach-Villa.

Das Historische Kolleg gratuliert Yfaat Weiss herzlich zur Berufung an die Spitze des Simon-Dubnow-Instituts.

Honorary Fellow Yfaat Weiss wurde zur Direktorin des Simon-Dubnow-Instituts berufen
Honorary Fellow Yfaat Weiss wurde zur Direktorin des Simon-Dubnow-Instituts berufen

Historisches Kolleg stellt weitere Schriften online

Das Historische Kolleg hat weitere Publikationen digitalisiert und online gestellt. Sämtliche Scans sind kostenlos als pdf-Dateien abrufbar und lassen sich im Volltext durchsuchen. Damit sind nun alle 88 bis ins Jahr 2013 erschienenen Bände der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien" sowie die "Jahrbücher des Historischen Kollegs" im Netz vorhanden. Unter der Rubrik "Publikationen" finden Interessierte auf der Homepage des Historischen Kollegs zudem weitere Digitalisate der Reihen "Vorträge" und "Dokumentationen".

Zu den jüngst ins Netz gestellten Veröffentlichungen zählen etwa der Sammelband von Hubert Wolf über "Mystik, Macht und Geschlechterrollen im Katholizismus des 19. Jahrhunderts", das Buch zum Kolloquium von Friedrich Lenger "Kollektive Gewalt in der Stadt. Europa 1890–1939" sowie der von Egon Flaig herausgegebene Sammelband "Genesis und Dynamiken der Mehrheitsentscheidung". Außerdem können nun alle Jahrbücher – ein zwischen 1995 und 2007 erschienenes Periodikum des Historischen Kollegs, das die Vorträge der Fellows aus diesem Zeitraum versammelt – abgerufen werden. Darin werden zum Beispiel die Vorträge von Christoph Buchheim, Jörn Leonhard, Karl Schlögel, Jan-Dirk Müller, Peter Burschel oder Wolfgang Reinhard dokumentiert.

Mit der Digitalisierungsoffensive verfolgt das Historische Kolleg das Ziel, die Erkenntnisse der in der Kaulbach-Villa abgehaltenen Kolloquien ebenso wie die Forschungsergebnisse seiner Fellows der Fachwissenschaft sowie einer breiten interessierten Öffentlichkeit möglichst leicht zugänglich zu machen. Nach Ablauf einer Movingwall werden auch in den kommenden Jahren sukzessive weitere Kolloquiumsbände online gestellt.

Das Historische Kolleg hat weitere Publikationen digitalisiert und online gestellt - so auch die Jahrbücher
Das Historische Kolleg hat weitere Publikationen digitalisiert und online gestellt - so auch die Jahrbücher

Das Historisches Kolleg trauert um Klaus Liesen (1931–2017)

Am 30. März 2017 ist Dr. Klaus Liesen im Alter von 85 Jahren verstorben. Der Jurist und erfolgreiche Industriemanager war dem Historischen Kolleg seit seiner Etablierung aufs Engste verbunden. Als Mitglied im Vorstand des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft ab 1978, 1980 bis 1993 als dessen Vorsitzender, hat er die Gründung des Kollegs als Institute for Advanced Study der historisch orientierten Wissenschaften in München durch den Stifterverband und den Stiftungsfonds Deutsche Bank maßgeblich begleitet. Als im Jahr 2000 die private Finanzierung des Kollegs durch eine Public-private-Partnership abgelöst wurde und der Freistaat Bayern die Grundfinanzierung übernahm, gehörte Klaus Liesen zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises des Historischen Kollegs. Im Kuratorium des Freundeskreises setzte er sich seitdem für die private Stipendienfinanzierung des Kollegs ein. Dass die nach dem Gründer der Ruhrgas AG benannte Alfred und Cläre Pott-Stiftung viermal in den Jahren 2010, 2013 und 2016 die Mittel für die Dotierung des Preises des Historischen Kollegs mit jeweils 30.000 € zur Verfügung gestellt hat und dies auch im Jahr 2019 wieder tun wird, geht auf Klaus Liesen in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Pott-Stiftung zurück. Das Historische Kolleg wird Klaus Liesen stets ein ehrendes Andenken bewahren.

David Kuchenbuch erhält Übersetzungsförderpreis

Dr. David Kuchenbuch, derzeit Junior Fellow am Historischen Kolleg, erhält den Übersetzungsförderpreis "Geisteswissenschaften International" für seine Studie "Das Peckham-Experiment. Eine Mikro- und Wissensgeschichte des Londoner 'Pioneer Health Centre' im 20. Jahrhundert" (Böhlau 2014, 237 S.). Mit der durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels, die Fritz Thyssen Stiftung, die VG Wort und das Auswärtige Amt vergebene Auszeichnung werden herausragende geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsleistungen prämiert. Neben Kuchenbuchs Arbeit sollen 20 weitere Studien ins Englische übersetzt werden. Ziel des Prieses ist es, deutsche Forschungsergebnisse in den Sozial- und Geisteswissenschaften international stärker zu verbreiten und die globale Vernetzung deutscher Wissenschaft voranzutreiben, so der Börsenverein in einer Pressemitteilung.

Aktuell schreibt David Kuchenbuch am Historischen Kolleg an seiner Habilitation zum Thema "Eine Welt/One World: Arno Peters, R. Buckminster Fuller und die Mediengeschichte des Globalismus, 1940er bis 1990er Jahre". Kuchenbuch wird sein Projekt am 24. April 2017 ab 19 Uhr im Historischen Kolleg einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Sein Stipendium wird von der Gerda Henkel Stiftung finanziert. Das Historische Kolleg gratuliert ihm herzlich zu der Auszeichnung.

Dr. David Kuchenbuch erhält eine Übersetzungsförderung durch das Programm "Geisteswissenschaften International"
Dr. David Kuchenbuch erhält eine Übersetzungsförderung durch das Programm "Geisteswissenschaften International"

Karl-Joachim Hölkeskamp mit dem Karl-Christ-Preis 2017 ausgezeichnet

Mit Karl-Joachim Hölkeskamp erhält ein ehemaliger Forschungsstipendiat des Historischen Kollegs den Karl-Christ-Preis für Alte Geschichte 2017. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis, der dem Andenken an den Marburger Althistoriker Karl Christ gewidmet ist, wird 2017 zum dritten Mal verliehen. Er zeichnet im alle zwei Jahre herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Alten Geschichte und ihrer Nachbardisziplinen sowie der Wissenschafts- und Rezeptionsgeschichte des Altertums aus und wird im Wechsel an den Universitäten Frankfurt am Main und Bern vergeben.

Zusammen mit Karl-Joachim Hölkeskamp wird seine Ehefrau Elke Stein-Hölkeskamp geehrt. Das Ehepaar habe über viele Jahre hinweg wichtige altertumswissenschaftliche Vorhaben und Publikationen vorbereitet und umgesetzt, so die Jury: "Beide haben eine Vielzahl herausragender althistorischer Publikationen vorgelegt, die maßgeblich die Diskussionen um das archaische Griechenland und die römische Republik beeinflussen, immer wissenschaftsgeschichtlich reflektiert sind, theoretische Zugänge zur Alten Geschichte offensiv vertreten und weit über die Grenzen des Faches hinaus rezipiert werden." Durch ihre "intellektuelle Neugierde" hätten sie neue Perspektiven eröffnet und durch zahlreiche Kontakte die deutschsprachige Althistorie mit der internationalen Forschung vernetzt, so die Begründung der Auswahlkommission.

Karl-Joachim Hölkeskamp lehrt an der Universität zu Köln. Er war im Kollegjahr 2005/2006 am Historischen Kolleg und arbeitete hier an einem Forschungsvorhaben zum Thema "Republik der Rituale. Pomp und Prozessionen in der politischen Kultur des antiken Rom". Der von ihm herausgegebene Sammelband zu seinem Kolloquium widmet sich der politischen Kultur in der Krise der römischen Republik. Elke Stein-Hölkeskamp ist derzeit als Gastprofessorin für Antike Kulturgeschichte an der LMU München. Das Historische Kolleg gratuliert herzlich zur Zuerkennung des Karl-Christ-Preises.

Internationaler Forschungspreis für französische Deutschlandhistorikerin Miard-Delacroix

Der Internationale Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg, der 2017 zum dritten Mal verliehen wird, geht an die international renommierte französische Deutschlandhistorikerin Hélène Miard-Delacroix. "Mit ihren Forschungsleistungen, insbesondere zur deutsch-französischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, hat sie Maßstäbe gesetzt. Der wichtige Forschungstrend der 'verflochtenen Geschichte' (histoire croisée) verdankt ihren Arbeiten entscheidende innovative Impulse", begründet Hans van Ess, Vorsitzender der Auswahlausschusses und Präsident der Max Weber Stiftung, die Juryentscheidung. Zugleich gehöre sie mit ihren vielfältigen Aktivitäten auch in der weiteren Medienöffentlichkeit zu den aktuell wichtigsten Vermittlern zwischen den französischen und deutschen Wissenschaftskulturen.

Miard-Delacroix wurde 1989 an der Sorbonne zur Frankreichpolitik des Kanzlers Helmut Schmidt in den 1970er und 1980er Jahren promoviert. Nach zahlreichen Lehr- und Forschungsaufträgen als Maître de conférence und Chargée en cours in Tours und an der Sorbonne in Paris habilitierte sie sich im Jahr 2002 über das Wiederaufkommen des bundesdeutschen Nationalismus seit den 1950er Jahren und dessen Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Frankreich. 2003 erhielt sie den Ruf an die École Normale Supérieure Lettres et Sciences Humaines in Lyon und kehrte fünf Jahre darauf als Inhaberin des Lehrstuhls für deutsche Zeitgeschichte am Institut für Germanistik an die Sorbonne (Paris IV) zurück. Sie ist Mitglied zahlreicher akademischer Gremien in beiden Ländern sowie Trägerin des deutschen Bundesverdienstkreuzes und des französischen Ordre des Palmes Académiques. Dass ihre 2013 erschienene Biografie über Willy Brandt im letzten Jahr auch ins Englische übersetzt wurde, belegt ihr internationales Renommee.
 
Mit dem Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg sollen herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr bisheriges Gesamtschaffen ausgezeichnet werden, die sich in vorbildlicher Weise um international ausgerichtete, geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung verdient gemacht haben. Der Internationale Forschungspreis ist mit 30.000 Euro dotiert. Mit dem Preis verbunden ist darüber hinaus die Einladung zu einem Forschungsaufenthalt in München und zur Durchführung eines internationalen Kolloquiums am Historischen Kolleg. Bisherige Preisträger waren die US-amerikanische Historikerin Isabel V. Hull und der französische Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman.
 
Die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland fördert die Forschung mit Schwerpunkten auf den Gebieten der Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in ausgewählten Ländern und damit das gegenseitige Verständnis. Sie unterhält zurzeit weltweit zehn Institute sowie weitere Forschungsgruppen und Büros. Mit ihren Infrastrukturen bietet die MWS beste Voraussetzungen für exzellente geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, die durch unmittelbare Nähe zu den Forschungsgegenständen und im Austausch unterschiedlicher Perspektiven und Herangehensweisen entsteht.
 
Das Historische Kolleg, gegründet 1980 in München, ist ein "Institute for Advanced Study" der historisch orientierten Wissenschaften. Es gewährt Fellows aus dem In- und Ausland durch ganzjährige Stipendien den Freiraum, konzentriert an einem Buch zu arbeiten. Durch die Vorträge und Tagungen der Fellows sowie durch hochkarätige Kooperations- und Gastveranstaltungen in der Kaulbach-Villa ist das Kolleg zudem ein internationales Zentrum des geschichtswissenschaftlichen Diskurses.

Helene Miard-Delacroix erhält den Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg
(Foto: Alain Mandel)
Helene Miard-Delacroix erhält den Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg (Foto: Alain Mandel)

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