Eigentum, Bodenwert und Visualisierung

  • Herausgeber(in): Professor Dr. Ute Schneider
  • Titel: Eigentum, Bodenwert und Visualisierung
  • Untertitel: Kataster im 19. und 20. Jahrhundert
  • Reihe: Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien
  • Bandnummer: 112
  • Verlagsort: Berlin
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Umfang: IX, 276 S.
  • ISBN: 978-3-11-113261-7
  • Beschreibung:

    Mit seiner Forderung nach „Mehr Gerechtigkeit“ setzte der 2020 verstorbene ehemalige Münchner Oberbürgermeister, Hans-Jochen Vogel, das Thema einer neuen Bodenordnung erneut auf die öffentliche Agenda. Seit Jahrzehnten verfolgte er das Ziel, bezahlbaren Wohnraum vor allem in den Städten zu schaffen, denn die seit den 1950er-Jahren rasant gestiegenen Bodenpreise sah er als Ursache für hohe Mieten. Die Wertsteigerung schlug sich jedoch nicht im Steueraufkommen nieder und hatte das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2018 veranlasst, vom Gesetzgeber eine Reform des Grundsteuer- und Bewertungsrecht zu fordern. Das Ziel, Formen der Ungleichheit zu beseitigen, konfrontierte Grundeigentümer und -eigentümerinnen mit der Komplexität von Werterfassungsformen.

    Obwohl die Forschung zum Kapitalismus seit einigen Jahren das Eigentum an Grund und Boden als zentrales, konstitutives Merkmal hervorhebt, wissen wir erstaunlich wenig über das Verhältnis von Boden und Recht, die rechtliche Fassung und Dokumentation von Grund und Boden, die Wertermittlung und schließlich die Bedeutung des Bodens in sozialen und mentalen Kontexten und ihr Wandel seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Der vorliegende Band liefert Einblicke in die Erfassungsmethoden und Visualisierungsformen des materiellen und immateriellen Wertes von Grund und Boden im Spannungsfeld von Eigentum und Enteignung, Privat- und Gemeineigentum in historischer und international vergleichender Perspektive und erlaubt Einblicke in die Entstehung und den Wandel von Bodenordnungen und Raumbildungsprozessen.

  • Inhalt:
    VII Abkürzungen
    Ute Schneider
    Eigentum, Bodenwert und Visualisierung: Kataster im 19. und 20.Jahrhundert (S. 1-20)
    Anette Schlimm
    Zwischen Bezirk und Genossenschaft. Die Probleme der bayerischen Gemeindebildung im frühen 19. Jahrhundert (S. 23-48)
    Lorenz Kähler
    Ordnungsvorstellungen im Grundbuchrecht (S. 49-66)
    Otto Dix
    Die Reichsbodenschätzung ab 1934. Bodenklassifikation und -bewertung im Spannungsfeld zwischen Steuerpolitik und räumlichen Ordnungsvorstellungen(S. 67-77)
    Nils Bennemann
    Eine „wissensgeschichtliche Sattelzeit“? Hydrodynamische Landschaften und das Katasterwesen im 18. und 19. Jahrhundert (S. 81-97)
    Christof Dipper
    Eigentum, Bodenwert, Landschaft. Trockenlegung und Landwirtschaft im Po-Delta von 1860 bis 1915 (S. 99-122)
    Heinrich Hartmann
    Landbesitz verstehen, Eigentum bewerten. Ethnologische Blicke auf Nutzungs-und Eigentumsrechte im Mittelmeerraum in der Nachkriegszeit (S. 123-152)
    Ernst Langthaler
    Der geordnete „Hoforganismus“. Agrarstatistik als Machtdispositiv im Nationalsozialismus (S. 153-178)
    Gabriele B. Clemens
    Bodenwert und Spekulationsgewinne. Die Nationalgüterversteigerungen in den rheinischen Departements und ihre Auswirkungen auf den Immobilienbesitz (1800–1850) (S. 181-200)
    Kerstin Brückweh
    Wohnen zwischen abstraktem Grundbuch und alltäglichen Pflegepraktiken. Eigentumsansprüche auf Haus und Grund in der Zeitgeschichte und davor (S. 201-229)
    Eva Maria Gajek/Nils Güttler
    Der Traum vom Frankfurter Grunewald: Eine (kurze) Wissens-und Mediengeschichte des Villenviertels Lerchesberg (S. 231-268)
    Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren (S. 269-271)
    Personenregister (S. 273-276)