Zurück zur Übersicht

Prof. Dr. Holger Afflerbach

Prof. Dr. Holger Afflerbach

Professor Dr. Holger Afflerbach

Studium der Geschichte an der Universität Düsseldorf, 1990 Promotion ebenda. 1999 Habilitation. 1999-2002 Privatdozent an der Universität Düsseldorf und Forschungsstipendiat der Fritz Thyssen Stiftung. 2002 DAAD-Professor für moderne deutsche Geschichte an der Emory University in Atlanta, Georgia. Seit 2006 Professor für moderne europäische Geschichte an der University of Leeds. 2012/2013 Fellow des Historischen Kollegs in München. 2014/2015 Mitglied des Institute for Advanced Study in Princeton.

E-Mail: holger.afflerbach@historischeskolleg.de

Gefördertes Forschungsvorhaben

Kollegjahr 2025/2026
„Das schöne Vorrecht des Stärkeren?“ Europäische Machtpolitik von Bismarck bis Sarajevo

Auf das „schöne Vorrecht des Stärkeren“ berief sich Kaiser Franz Joseph in seinem Kriegsmanifest vom 28. Juni 1914. An diesem Tag erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg und löste damit den Ersten Weltkrieg aus. In diesem Forschungsprojekt geht es um die Frage, ob das Vorrecht des Stärkeren –  das an Thucydides und den Melierdialog im 5. Jahrhundert vor Christus erinnert – auch 1914 politisch akzeptiert war. Es soll untersuchen, welche Rolle Stärke und „Macht“ in zwischenstaatlichen Aktionen im Europa der Nationalstaaten (1871-1914) spielten, und welche anderen Faktoren wirkmächtig waren.

Die Periode, die hier in den Blick genommen wird, gilt als Höhepunkt der antagonistischen Machtpolitik, als „Zeitalter des Imperialismus“. Dabei soll die Bedeutung von Machtfragen kontextualisiert und die Ideen, „Triebkräfte“ und Mechanismen herausarbeiten, die die internationale Politik letztlich bestimmen und damit auch die Grenzen der „Macht“ vermessen.

Diese Untersuchung soll weniger eine diplomatische Geschichte der Großmachtpolitik von Bismarck bis zum Ersten Weltkrieg sein, sondern vielmehr eine Geschichte der außenpolitischen Herausforderungen und Problemlösungen sowie insbesondere die Rekonstruktion der Ideen und des Diskurses der Zeitgenossen. Das Attentat in Sarajevo wird das Ende, aber nicht das Thema des Buches sein. Im letzten Teil des Buches will ich zeigen, wie die politischen Krisen vor 1914 miteinander verknüpft waren, wie eine Krise die nächste nach sich zog und das System destabilisierte. Diesen Faktoren der Krise werden die Argumente gegenübergestellt, die auf die politische Stabilität der Epoche abheben.

Es handelt sich um ein dezidiert historisches Projekt, das jedoch durch eine automatische Vergleichsebene mit der Gegenwart an Aktualität gewinnt. Wir leben in einer multipolaren Welt, die zunehmend mit der Zeit vor 1914 verglichen wird. Ich bin sehr weit davon entfernt, zu behaupten, dass die Situation und die Strukturen damals und heute identisch sind, oder effekthascherische Vergleiche herzustellen, aber es gibt viele Probleme, die Ähnlichkeiten aufweisen. Deshalb ist es sowohl ein historisches als auch ein aktuelles Interesse, darüber nachzudenken, ob die Zeitgenossen das ‚schöne Vorrecht des Stärkeren‘ akzeptierten und wo die Grenzen dieses Vorrechts lagen.

Vortrag

Kollegjahr 2025/2026
Bismarck als Machtpolitiker und Krisenmanager – Bemerkungen zu einem vieldiskutierten und doch aktuellen Thema
22. Juni 2026
Bismarck als Machtpolitiker