Begrüßungsabend am Historischen Kolleg: Neue Perspektiven auf Geschichte

Begrüßungsabend am Historischen Kolleg:
Neue Perspektiven auf Geschichte

Mit einem festlichen Begrüßungsabend am 12. Oktober 2026 startete das Historische Kolleg in das 47. Kollegjahr. Im Mittelpunkt standen die Forschungsprojekte der Fellows, die Einblicke in ihre aktuellen Arbeiten gaben und mit den Gästen über unterschiedliche Zugänge zur Geschichte ins Gespräch kamen.

Wie wird politische Herrschaft legitimiert? Wie entstehen gesellschaftliche Feindbilder? Und wessen Perspektiven prägen unser Bild der Vergangenheit? Die Gespräche des Abends machten deutlich, wie vielfältig die Fragen sind, denen die Fellows des Historischen Kollegs in ihren Forschungsprojekten nachgehen.

Kuratoriumsvorsitzende Elke Seefried sprach mit den neuen Fellows über ihre Forschungsprojekte, die sie im kommenden Jahr am Historischen Kolleg bearbeiten werden. Katarína Farbová und Quirin Vogel umrahmten den Abend musikalisch.

Johannes Wienand, Advanced Fellow der Fritz Thyssen Stiftung, sprach über Panegyrik als politischem Kommunikationsraum. Anhand von Herrscherlob in der Spätantike untersucht er, wie Vorstellungen von monarchischer Autorität ausgehandelt und vermittelt wurden. Sören Urbansky, Advanced Fellow des Käte Hamburger Kollegs global dis:connect und des Freistaats Bayern, rückte mit seinem Projekt zur „Gelben Gefahr“ antichinesische Feindbilder um 1900 in den Fokus. Am Beispiel von San Francisco und Wladiwostok fragt er, wie solche Zuschreibungen gesellschaftliche Ausgrenzung und politische Maßnahmen beeinflussten.

Mathias Häußler, Consolidator Fellow des Historischen Seminars der LMU und des Freundeskreises des Historischen Kollegs, beleuchtete an diesem Abend das Deutsche Kaiserreich als touristisches Reiseziel. Sein Projekt untersucht, wie etwa touristische Verbände Deutschland um 1900 im internationalen Wettbewerb um Reisende positionierten und welche Rolle touristische Inszenierungen für das nationale Selbstbild spielten. Omar Gueye, Consolidator Fellow Global South der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, lenkt den Blick auf die Protestbewegungen von 1968 in Afrika. Er untersucht insbesondere die Rolle von Frauen in den gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen im Senegal und fragt nach dem Erbe dieser Bewegungen.

Als Honorary Fellow beschäftigt sich Gideon Botsch mit rechtsextremer Geschichtsschreibung und deren politischen Deutungsmustern. Sein Beitrag verdeutlichte, wie wichtig es ist, den Umgang mit Geschichte und die Instrumentalisierung historischer Narrative kritisch zu untersuchen.

Einen Ausblick auf ein weiteres Forschungsvorhaben gab Izabela Paszko, die ab April 2027 als Fellow der Max Weber Stiftung am Historischen Kolleg tätig sein wird. Sie widmet sich der Geschichte militärischer Übungsgelände nach 1945 und damit einem Thema, das Fragen nach Raum, gesellschaftlichem Wandel und den langfristigen Folgen militärischer Nutzung verbindet.

Von der Spätantike bis zur Zeitgeschichte, von Europa über Afrika bis in den pazifischen Raum: Der Begrüßungsabend zeigte die thematische und methodische Bandbreite der Forschung am Historischen Kolleg. Zugleich bot er Gelegenheit, die Fellows des Kollegjahrs 2026/27 persönlich kennenzulernen und beim anschließenden Empfang miteinander ins Gespräch kommen.

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