Deutscher Bund und innere Nationsbildung im Vormärz (1815–1848)

Fachwissenschaftliche Tagung

Dienstag, 10. Oktober 2017

Der 1815 gegründete Deutsche Bund bildete bis 1866 den föderativen Rahmen deutscher Staatlichkeit. Er verstand sich dabei nicht nur als eine Allianz zur Wahrung der inneren und äußeren Sicherheit der in ihm vereinten Staaten, sondern auch als ein "nationales Band". Als solches nahm der Deutsche Bund selbst für sich in Anspruch, als Organ der inneren Nationsbildung in Deutschland tätig zu werden, womit er auf die vielfältigen gesellschaftlichen Erwartungen reagierte, die an ihn herangetragen wurden. Konkrete Handlungsfelder einer Politik des "nation building" waren die Handels- und Zollpolitik, die Harmonisierung der Gesetzgebung in Deutschland sowie auch kulturnationale Initiativen. Bei der praktischen Umsetzung dieser Vorhaben entwickelten sich die zahlreichen Kommissionen des Deutschen Bundes zu Foren von komplexen Aushandlungsprozessen zwischen Bürokratie und Gesellschaft. Des Weiteren kam es zur Entwicklung überstaatlicher Expertenkulturen, in denen sich einerseits Fachwissen akkumulierte, das im Zuge der inneren Nationsbildung auch über das Ende des Deutschen Bundes hinaus intensiv genutzt wurde. Andererseits bildeten die Experten ein die deutschen Einzelstaaten transzendierendes Netzwerk, von dem vielfältige Impulse für die nationale Integration ausgingen. Die Tagung verfolgt das Ziel, das nationsbildende Potential des Deutschen Bundes auszuloten und ihn damit als politischen Akteur in einer sich rasch wandelnden Gesellschaft neu zu verorten.

Programm: 

09:30 – 10:00 Uhr Begrüßung Prof. Dr. Gerrit Walther (Wuppertal)
Einführung Prof. Dr. Jürgen Müller (Frankfurt/M.) Der Deutsche Bund als nationales Band. Anspruch und Realität

10:00 – 10:45 Uhr Prof. Dr. Reinhard Stauber (Klagenfurt)
Der Deutsche Bund als föderative Ordnung in der Mitte Europas: Möglichkeiten und Chancen aus der Perspektive von 1814/15

11.00 – 11:45 Uhr Dr. Eckhardt Treichel (Frankfurt/M.)
Die Kommissionen des Deutschen Bundes und ihre Tätigkeit in den Jahren 1816–1823

12:00 – 14:00 Uhr Mittagspause

14:00 – 14:45 Uhr Dr. Marko Kreutzmann (Jena)
Die Kommissionen des Deutschen Bundes als Foren von Aushandlungsprozessen zwischen Bürokratie und Gesellschaft (1816–1848)

14.45 – 15:30 Uhr Dr. Paul Kahl (Göttingen)
Kulturelle Nationsbildung im Deutschen Bund: Das Weimarer Goethehaus als Nationalmuseum

15.30 – 16.00 Uhr Kaffeepause

16.00 – 16.45 Uhr Dr. Andreas Hofmann (München)
Zwischenstaatliche Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftspolitik im Deutschen Bund 1815–1848

An die Vorträge schließt sich jeweils eine Diskussion an.

19:00 Uhr Öffentlicher Abendvortrag
Prof. Dr. Andreas Fahrmeir (Frankfurt/M.)
Innere Nationsbildung im 19. Jahrhundert. Der Deutsche Bund im internationalen Vergleich

Veranstaltungsort:
Historisches Kolleg, Kaulbachstr. 15, 80539 München

Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung möglich.

Programm

Gastveranstaltung der Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Exzellenzcluster "Normative Ordnungen"