Statut des Historischen Kollegs

Präambel

Das Historische Kolleg, 1980 nach Art eines “Institute for Advanced Study“ vom Stiftungsfonds Deutsche Bank zur Förderung der Wissenschaft in Forschung und Lehre und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zur Förderung namhafter, hervorragend qualifizierter Historiker des In- und Auslandes in München errichtet, wurde in den ersten zwanzig Jahren seines Bestehens von der "Stiftung Historisches Kolleg" getragen und ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert. Seit 1988 hat es seinen Sitz in der Kaulbach-Villa, die gemeinsam mit seinen Gründern vom Freistaat Bayern für das Kolleg instandgesetzt wurde. An die Stelle der Finanzierung durch den Stiftungsfonds Deutsche Bank und den Stifterverband tritt mit dem Kollegjahr 2000/2001 eine gemeinsame Finanzierung aus öffentlichen und privaten Mitteln: Der Freistaat Bayern sorgt für die Grundausstattung des Kollegs, private Zuwendungsgeber stellen für die Berufung von Gelehrten Stipendien zur Verfügung. Für die Dauer von jeweils fünf Jahren haben die Dotierung von Forschungsstipendien zunächst der DaimlerChrysler-Fonds, die Fritz Thyssen Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zugesagt, für vorerst drei Jahre ein dem Stifterverband verbundenes Förderunternehmen die Dotierung des Förderstipendiums. Träger des Historischen Kollegs ist nunmehr die „Stiftung zur Förderung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Historischen Kollegs“. Für das Historische Kolleg als wissenschaftliche Einrichtung gilt folgendes Statut.

§ 1

  1. Das Historische Kolleg dient der Förderung von deutschen und ausländischen Gelehrten, die sich im Bereich der historisch orientierten Wissenschaften durch herausragende Leistungen in Forschung und Lehre ausgewiesen haben.
  2. Das Historische Kolleg fördert in diesem Sinne auch den wissenschaftlichen Nachwuchs.
  3. Das Historische Kolleg ist eine wissenschaftliche Einrichtung der „Stiftung zur Förderung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Historischen Kollegs“, die als rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts auch die für das Historische Kolleg notwendigen Rechtsgeschäfte wahrnimmt.
  4. Das Historische Kolleg hat seinen Sitz in der Kaulbach-Villa in München.

§ 2

Das Historische Kolleg erfüllt seine Aufgaben insbesondere durch

  1. Vergabe von Forschungsstipendien,
  2. Vergabe von Förderstipendien,
  3. Vergabe des Preises des Historischen Kollegs,
  4. wissenschaftliche Veranstaltungen und Publikationen,
  5. Förderung des Geschichtsbewußtseins.

§ 3

  1. Das Historische Kolleg wird geleitet durch den Vorsitzenden des Kuratoriums, das Kuratorium.
  2. Der Vorsitzende des Kuratoriums vollzieht dessen Beschlüsse und vertritt das Historische Kolleg. Ist der Vorsitzende verhindert, nimmt sein Stellvertreter die Aufgaben des Vorsitzenden wahr.
  3. Das Kuratorium besteht aus sechs Persönlichen Mitgliedern und fünf Mitgliedern von Amts wegen.
  4. Die Persönlichen Mitglieder werden für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Einmalige Wiederwahl ist möglich.
  5. Mitglieder von Amts wegen sind

    1. der für die Geisteswissenschaften zuständige Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft,
    2. der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
    3. der Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
    4. der Sekretär der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
    5. ein vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst entsandter Vertreter.

  6. Private Zuwendungsgeber, die ein volles Stipendium nach § 2 Nr. 1 und 2 und den Preis nach § 2 Nr. 3 finanzieren, können mit beratender Stimme an den Sitzungen des Kuratoriums teilnehmen.
  7. Die laufenden Geschäfte des Historischen Kollegs werden von einem Geschäftsführer wahrgenommen, der in der Regel zugleich Geschäftsführer der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist. Der Geschäftsführer ist dem Vorsitzenden des Kuratoriums zugeordnet.

§ 4

  1. Das Kuratorium wählt aus dem Kreis seiner Mitglieder nach § 3 Absatz 3 für die Dauer von zwei Jahren seinen Vorsitzenden und dessen Stellvertreter.
  2. Aufgaben des Kuratoriums sind es ferner,

    1. die Persönlichen Mitglieder zu wählen,
    2. die Ausschreibungsverfahren für Stipendien und Preisvergaben festzulegen,
    3. die Forschungs- und Förderstipendiaten auszuwählen,
    4. alle Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung für das Historische Kolleg zu beraten,
    5. den Haushaltsplan (Wirtschaftsplan) des Historischen Kollegs aufzustellen.

  3. Das Kuratorium tagt jährlich mindestens einmal.
  4. Das Kuratorium ist beschlußfähig, wenn mehr als die Hälfte seiner Mitglieder anwesend ist. Es beschließt mit der einfachen Mehrheit der abgegebenen Stimmen; § 10 Absatz 2 bleibt unberührt. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Die Beschlüsse des Kuratoriums können mit Zustimmung des Vorsitzenden auch im schriftlichen Verfahren gefaßt werden.
  5. Förderbeschlüsse können vom Kuratorium nur im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel gefaßt werden.

§ 5

  1. Die Forschungsstipendien werden öffentlich ausgeschrieben. Sie werden entweder auf eine Bewerbung des interessierten Wissenschaftlers hin oder auf Vorschlag eines Mitglieds des Kuratoriums vergeben.
  2. Die Forschungsstipendien werden in der Regel für die Dauer eines Jahres gewährt.
  3. Mit der Annahme eines Forschungsstipendiums ist die Verpflichtung verbunden, das Forschungsvorhaben während der Förderungsdauer weitgehend zum Abschluß zu bringen und in angemessener Frist zu veröffentlichen sowie einen öffentlichen Vortrag aus seinem Arbeitsbereich zu halten; außerdem hat der Stipendiat im Verlauf des Kollegjahres im Zusammenhang mit seinem Forschungsvorhaben ein Kolloquium abzuhalten.
  4. Der öffentliche Vortrag und die Ergebnisse des Kolloquiums werden vom Historischen Kolleg veröffentlicht.
  5. Weitere Einzelheiten werden in einem Merkblatt für Bewerbungen festgelegt; sie können im übrigen Gegenstand besonderer Vereinbarungen mit den Stipendiaten sein.

§ 6

  1. Die Förderstipendien werden auf Vorschlag von Mitgliedern des Historischen Kollegs vergeben. Eine Ausschreibung kann erfolgen; Bewerbungen werden entgegengenommen.
  2. Die Nachwuchswissenschaftler sollen das 35. Lebensjahr noch nicht wesentlich überschritten haben.
  3. Förderstipendien werden in der Regel für die Dauer eines Jahres vergeben.
  4. Mit der Annahme eines Förderstipendiums verpflichtet sich der Stipendiat einen Vort trag aus dem Bereich seines Forschungsvorhabens zu halten. Die Publikation des Vortrages ist vorgesehen.
  5. Einzelheiten werden in den Richtlinien für Förderstipendien festgelegt; sie können im übrigen Gegenstand besonderer Vereinbarungen mit den Stipendiaten sein.

§ 7

  1. Der Preis des Historischen Kollegs wird nach Maßgabe der vom Kuratorium beschlossenen besonderen Statuten vergeben.
  2. Die Auswahl der Preisträger wird einer besonderen Kommission übertragen. Ihr gehören an:

    1. die Kuratoren des Historischen Kollegs,
    2. bis zu drei weitere Mitglieder, die vom Kuratorium des Historischen Kollegs für je zwei Preisverleihungen kooptiert werden,
    3. ein Vertreter des Stiftungsfonds Deutsche Bank.

§ 8

Die Forschungs- und Förderstipendiaten haben für die Dauer ihres Stipendiums Residenzpflicht in der Kaulbach-Villa als Forschungsstätte.

§ 9

  1. Mitglieder des Historischen Kollegs sind:

    1. die amtierenden und ehemaligen Kuratoren des Historischen Kollegs,
    2. die ins Historische Kolleg berufenen Forschungs- und Förderstipendiaten,
    3. die Träger des Preises des Historischen Kollegs.

  2. Die Mitglieder sollen dazu beitragen, die Zielsetzungen des Historischen Kollegs zu verwirklichen; sie sollen sich aktiv am Kollegleben beteiligen, insbesondere gelegentlich der Verleihungen des Preises des Historischen Kollegs zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung zusammentreten.
  3. Die Mitglieder haben das Recht, Vorschläge für die Vergabe von Forschungs- und Förderstipendien zu machen. Sie können als Gutachter für Bewerbungen herangezogen werden.

§ 10

  1. Das Statut tritt mit Wirkung vom 1. Oktober 2000 in Kraft.
  2. Änderungen des Statuts bedürfen einer Mehrheit von drei Viertel der abgegebenen Stimmen der Mitglieder des Kuratoriums.

Anlagen:

  1. Merkblatt für Bewerbungen um Stipendien
  2. Richtlinien für die Vergabe des Förderstipendiums
  3. Statuten für den Preis des Historischen Kollegs

Beschlossen vom Kuratorium des Historischen Kollegs am 13. Dezember 1999