Geschichte des Historischen Kollegs - Überblick

Die Gründung des Historischen Kollegs (20. Oktober 1980 in München)

Verschiedene Motive gaben Anfang der 1980er Jahre dafür den Ausschlag, dass der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Deutsche Bank und die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sich gemeinsam zur Gründung des Historischen Kollegs entschlossen.

Nachdem mehr als ein Jahrzehnt lang das Schlagwort von der "Chancengleichheit" die Wissenschafts- und Bildungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland dominiert hatte, war plötzlich in verschiedenen Bereichen wieder verstärkt von Eliten und Eliteförderung die Rede. In besonderer Weise wurde diese Idee vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft artikuliert. Zu nennen sind hier als Initiatoren des Kollegs der Generalsekretär des Stifterverbandes Thorwald Risler (bis 1979), sein Nachfolger Horst Niemeyer (1929–2005) sowie der seit 1980 amtierende Vorstandsvorsitzende des Stifterverbandes Klaus Liesen (Ruhrgas). Als Vorbilder dienten das Institute for Advanced Study in Princeton und das Collège de France in Paris.

Nachdem sich ein alle Fächer umfassendes „Deutsches Kolleg“ nicht realisieren ließ, sollte zunächst ein Historisches Kolleg als Pilotprojekt an den Start gehen, dies auch, weil das Fach Geschichte – Stichwort hessische Rahmenrichtlinien für Gesellschaftslehre (1972) – in den siebziger Jahren einen äußerst schweren Stand hatte und drohte, an den Schulen marginalisiert zu werden.[1]

Ebenso lieferten die Verhältnisse, die Anfang der achtziger Jahre an den Universitäten entstanden waren, ein weiteres zentrales Motiv für die Etablierung des Historischen Kollegs. Weil die „Massenuniversitäten“ gerade den Spitzenforschern kaum noch Freiräume ließen, sollte ein Ort entstehen, der ihnen zumindest zeitweilig die Möglichkeit bot, kontinuierlich und konzentriert an einem Werk zu arbeiten. Dr. Alfred Herrhausen (1930–1989), der Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank, Vorstandsmitglied im Stifterverband und die zentrale Persönlichkeit auf Seiten der deutschen Wirtschaft im Kreis der Initiatoren des Historischen Kollegs, sagte bei dessen Eröffnung am 20. Oktober 1980: „Betonen möchte ich, dass diese Form der Forschungsförderung nicht projekt-, sondern personenbezogen ist. Sie orientiert sich am Leitbild der Forscherpersönlichkeit die neben der wissenschaftlichen Leistung auch ein bestimmtes Ethos des wissenschaftlichen Arbeitens eindrucksvoll verkörpert“.[2]

Zum Dreh- und Angelpunkt für die organisatorischen Belange des Historischen Kollegs wurde, wie zuvor bereits für die "Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland" (AHF), die Geschäftsstelle der Historischen Kommission. Die von König Maximilian II. auf Initiative Leopold von Rankes errichtete „Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ leistet seit ihrer Gründung 1858 durch die Veröffentlichung von Quelleneditionen und historisch-biographischen Lexika einen zentralen Beitrag zur historischen Grundlagenforschung im Bereich der deutschen Geschichte. Daneben hat sich die Historische Kommission - mal mehr, mal weniger - auch als Sprecherin der deutschen Geschichtswissenschaft verstanden. Dies war vielleicht in der Ära ihres Präsidenten (1964–1984), des Kölner Professors Theodor Schieder (1908–1984), in ganz besonderer Weise der Fall. Jedenfalls war die Historische Kommission 1972 auch der Nukleus für die Gründung der AHF, gewesen, die seitdem zwei Fachbibliographien herausgibt und die Interessen der außeruniversitären Forschungseinrichtungen des Faches bündelt. Der Geschäftsführer der Historischen Kommission, Georg Kalmer, war bis zu seinem Ausscheiden 2007 auch in Personalunion Geschäftsführer des Historischen Kollegs.

Theodor Schieder, erster Vorsitzender der vom Stifterverband treuhänderisch verwalteten „Stiftung Historisches Kolleg“ und auf wissenschaftlicher Seite die zentrale Persönlichkeit der Kolleggründung, fasste die Motive dafür bei seiner Rede zur Eröffnung des Kollegs in folgende Worte: „Hinter den Bestrebungen, die zum Historischen Kolleg geführt haben, steht die Überzeugung, dass etwas für den einzelnen Gelehrten getan werden muss, der an einem großen Werk arbeitet und an dessen Vollendung durch die Verhältnisse an unseren Hochschulen in irgend einer Form behindert wird“.[3]

Wenn Theodor Schieder bei der Eröffnung auch davon sprach, dass zahlreiche deutsche Wissenschaftler in den vergangenen Jahren „die Gastfreundschaft ähnlicher Einrichtungen im Ausland, zum Beispiel des Institute for Advanced Study in Princeton“ genossen hätten und man demgegenüber „etwas nachholen“ müsse, so bedeutete die Errichtung des Historischen Kollegs, dies wird aus der Rückschau sehr deutlich, auch gewissermaßen eine Normalisierung der Verhältnisse. Mit dem Historischen Kolleg und dem etwa gleichzeitig in Berlin gegründeten Wissenschaftskolleg (1981) entstanden in der Bundesrepublik Deutschland Wissenschaftseinrichtungen, die ihr Vorbild in den westlichen Nationen besaßen.

Die enge Verbindung zwischen Historischer Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Historischem Kolleg kommt bis heute insbesondere dadurch zum Ausdruck, dass der Präsident und der Sekretär der Historischen Kommission dem Kuratorium des Historischen Kollegs ex officio angehören. Mit Theodor Schieder und Lothar Gall übten bzw. üben zwei Präsidenten der Kommission auch in Personalunion das Amt des Kuratoriumsvorsitzenden des Historischen Kollegs aus.

 

 

Chronik des Historischen Kollegs

(Die Chronik führt nicht die Stipendiatinnen und Stipendiaten der einzelnen Kollegjahre auf, ebenso wenig eine vollständige Liste der Veröffentlichungen, da diese Informationen über die Seiten „Fellows" sowie „Publikationen“ auf der Homepage zu erschließen sind.)


1978

Konstituierende Sitzung des Kuratoriums der „Stiftung Historisches Kolleg“ am 20. Juli 1978 in der Deutschen Bank, Königsallee 45, in Düsseldorf. Dabei wird unter anderem München als Sitz – zunächst war auch an Berlin gedacht worden – bestätigt, dies wegen der besonders vorteilhaften Bibliothekssituation und der Tatsache, dass dort zahlreiche weitere Einrichtungen aus dem Bereich der Geschichtswissenschaften ihren Sitz haben.


1980

Im Mai 1980 nimmt das Historische Kolleg in einer Wohnung in der Münchner Sonnenstraße 10 (an der Einmündung zur Schwanthalerstraße, 230 qm) seine Arbeit auf. Die Landeshauptstadt München hatte die Wohnung zuvor für 500.000 DM renoviert und stellte sie dem Kolleg für fünf Jahre zur Verfügung.

Am 20. Oktober 1980 wird das Historische Kolleg mit einem Festakt unter anderem im Beisein des Bayerischen Staatsministers für Unterricht und Kultus, Hans Maier, offiziell eröffnet.

Erster Kuratoriumsvorsitzender ist Theodor Schieder. Stellvertretender Vorsitzender und geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied ist der Vertreter des Stifterverbandes, sein Generalsekretär Horst Niemeyer. Dem Kuratorium gehören fünf gewählte Mitglieder an, darunter ein ausländischer Wissenschaftler und von Amts wegen:

○ der Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Geisteswissenschaften (DFG),

○ der Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,

○ ein Vertreter der Deutschen Bank,

○ ein Vertreter des Stifterverbandes.


1981

In der Sitzung am 22. Juni 1981 präsentiert Theodor Schieder dem Kuratorium die Idee eines „Preises des Historischen Kollegs“.


1982 

Die bereits bestehenden Verbindungen zwischen Historischer Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Kolleg erhalten durch einen Kooperationsvertrag eine rechtliche Grundlage.

Die Vorträge und Kolloquien des Historischen Kollegs finden in den Jahren bis zum Bezug der Kaulbach-Villa alle in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften statt.

Es erscheint der erste Band der „Kolloquien“ (Heinrich Lutz (Hg.): Das römisch-deutsche Reich im politischen System Karls V.) im R. Oldenbourg Verlag (München). Die Kolloquienbände dokumentieren die wissenschaftlichen Kolloquien, die von den Forschungsstipendiaten in ihrem Kollegjahr durchgeführt werden. Bis 2010 erscheinen ca. 80 Bände.


1983 

Das Förderkonzept des Historischen Kollegs erhält durch die erstmalige Ausschreibung des „Preises des Historischen Kollegs“ einen zusätzlichen Akzent. Der Stiftungsfonds Deutsche Bank stellt dafür 40.000 DM zur Verfügung. Der Preis soll künftig alle drei Jahre verliehen werden. Der Bundespräsident verleiht seitdem regelmäßig den Preis als Schirmherr des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Am 15. November 1983 findet die erste Verleihung des von Theodor Schieder angeregten Preises des Historischen Kollegs an den Göttinger Althistoriker Alfred Heuß (1909–1995) durch Bundespräsident Professor Dr. Karl Carstens (1914–1992) auch in Anwesenheit des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. h.c. Franz Josef Strauß (1915–1988) statt. Im Anschluss richtet die Bayerische Staatsregierung einen Staatsempfang im Antiquarium der Münchner Residenz aus.

Im Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1984[4] schreiben Theodor Schieder und Eberhard Weis u.a.: „Die erfreuliche Entwicklung, die das Historische Kolleg bisher genommen hat, hat die Frage einer geeigneten Unterbringung immer dringlicher werden lassen. Daß die bisher getroffene Lösung [Sonnenstraße] unzureichend ist und nur als Provisorium akzeptiert werden konnte, ist allen Beteiligten klar. Für anspruchsvolle geistige Arbeit ist die Atmosphäre der Ruhe und Konzentration sicherlich eine wünschenswerte Voraussetzung. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat deshalb seine Bemühungen verstärkt, für das Kolleg ein angemessenes Institutsgebäude zu erhalten, und er setzt dabei auch auf die Hilfe der Bayerischen Staatsregierung. Für das Historische Kolleg – und damit auch für München und Bayern – wäre es von größter Bedeutung, wenn ihm ein Gebäude zur Verfügung gestellt werden könnte, das dem internationalen Standard solcher Einrichtungen, aber auch der Tradition bayerischer Wissenschaftspflege entspräche und in dem sich die Idee des Kollegs als einer Stätte der Begegnung von Historikern des In- und Auslands voll entfalten könnte. Es ist zu hoffen, daß die derzeitigen Verhandlungen bald erfolgreich abgeschlossen werden können.“

1984

Theodor Schieder, der Gründungsvorsitzende des Historischen Kollegs, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich das Kolleg in ganz kurzer Zeit als Stätte der Spitzenforschung national und international etablieren konnte, stirbt am 8. Oktober im Alter von 76 Jahren in Köln. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste als Wissenschaftsorganisator beschließt das Kuratorium, künftig jährlich zur Erinnerung an den Gründungsvorsitzenden "Theodor-Schieder-Gedächtnisvorlesungen" nach dem angelsächsischen Muster der "memorial lectures" abzuhalten, mit denen jeweils ein Kuratoriumsmitglied das Kollegjahr offiziell eröffnet.[5] Horst Fuhrmann, Präsident der Monumenta Germaniae Historica (MGH), wird vom Kuratorium am 23. November zum neuen Kuratoriumsvorsitzenden gewählt.[5a]

Die Erweiterung des Kollegkonzepts um den Preis des Historischen Kollegs wird durch eine Satzungsänderung institutionalisiert, die das Kuratorium am 23. November 1984 beschließt. Im Zuge dieser Satzungsänderung wird auch die Zahl der Kuratoriumsmitglieder erhöht (sechs gewählte und fünf geborene Mitglieder). Ex officio gehört künftig auch der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften dem Kuratorium an.


1985 

Die Bemühungen des Historischen Kollegs um eine dauerhafte und angemessene Unterbringung werden erfolgreich fortgesetzt. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hatte dem Stifterverband inzwischen die Kaulbach-Villa, die Gabriel von Seidl (1848–1913) 1887 bis 1889 für den Porträtisten Fritz August von Kaulbach (1850–1920) im Stile einer italienischen Renaissancevilla erbaut hatte, zur Nutzung für das Historische Kolleg angeboten. Unterstützt wird das Historische Kolleg bei seinen Bemühungen um diese Immobilie von Ministerpräsident Franz Josef Strauß und Kultusminister Hans Maier. Am 21. November 1984 schreibt der Bayerische Ministerpräsident an den Generalsekretär des Stifterverbandes, Horst Niemeyer: „Es ist auch mir ein Anliegen, daß das Historische Kolleg, das in der bayerischen Landeshauptstadt begründet wurde, hier auch eine angemessene Heimat findet“.

Im Falle des Zuschlags für das Historische Kolleg war für die zwischen Bayerischer Staatsbibliothek und Englischem Garten liegende großzügige Villa aus der Gründerzeit mit weitläufigem Garten allerdings vor dem Einzug eine grundlegende Renovierung erforderlich. Der Freistaat Bayern, der Stifterverband und der Stiftungsfonds Deutsche Bank sind dazu zwar grundsätzlich bereit, müssen allerdings noch die genauen Konditionen verhandeln. Die Aussicht auf einen Umzug in die Kaulbach-Villa betrachten die Verantwortlichen als entscheidenden Schritt zur endgültigen Etablierung des Historischen Kollegs.

Am 21. November 1985 hält Horst Fuhrmann die erste „Theodor-Schieder-Gedächtnisvorlesung“ im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Das Thema lautete „Der Historiker und sein Publikum – Über das Interesse am Mittelalter“. Mit Johanne Autenrieth (1985/1986) wird im sechsten Kollegjahr die erste Forschungsstipendiatin an das Historische Kolleg berufen. Bis 2010 sind von insgesamt 113 Geförderten neun Frauen.


1986 

Am 20. November 1986 findet die zweite Verleihung des Preises des Historischen Kollegs in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften statt. Bundespräsident Richard von Weizsäcker verleiht den Preis an den Konstanzer Mediävisten Arno Borst (1925–2007).

Das Kuratorium des Historischen Kollegs berichtet, dass die Renovierung der Kaulbach-Villa im Frühsommer 1987 aufgenommen und im Herbst 1988 abgeschlossen werden soll, so dass man die Hoffung habe, sie bis zum Beginn des Kollegjahres 1988/1989 beziehen zu können.


1987 

Am 20. November 1987 wird mit der zweiten „Theodor-Schieder-Gedächtnisvorlesung“ das Kollegjahr 1987/88 eröffnet. Thomas Nipperdey (1927–1992) spricht über „Religion und Gesellschaft: Deutschland um 1900“.

Nachdem im Frühjahr 1987 die endgültige Entscheidung über die Finanzierung der Instandsetzung der Kaulbach-Villa auf Seiten des Freistaates Bayern gefallen ist, steht der Gesamtkostenrahmen für die Renovierung von maximal 5,5 Millionen DM (davon 3,5 Millionen staatliche und 2 Millionen Stiftungsmittel). Daraufhin beginnen im April 1987 die eigentlichen Bauarbeiten.

1988 

Am 24. November 1988 wird die Kaulbach-Villa als Haus des Historischen Kollegs in Anwesenheit des Bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl (1932–1998) mit einem Festakt eröffnet. Den Festvortrag hält der Kuratoriumsvorsitzende Horst Fuhrmann über „Die Lehre vom Haus und das Haus des Gelehrten“.[6] Einen Tag später findet das erste – von Knut Borchardt geleitete – Kolloquium der fast vollzählig versammelten „Mitglieder des Historischen Kollegs“ (Stipendiaten, Preisträger und Kuratoriumsmitglieder) zum Thema „Bedingungen geschichtswissenschaftlicher Arbeit in Vergangenheit und Gegenwart“ statt.

Am Abend des 25. November 1988 hält Christian Meier im vollbesetzten Vortragssaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die dritte Theodor-Schieder-Gedächtnisvorlesung zum Thema „Die Rolle des Krieges im klassischen Athen“. Mit einem „Tag der offenen Tür“ gehen die Eröffnungsveranstaltungen am 26. November zu Ende.

Nach dem Bezug der Kaulbach-Villa durch das Historische Kolleg resümieren Eberhard Weis und Dieter Albrecht (1927–1999), Präsident und Sekretär der Historischen Kommission, in ihrem Jahresbericht 1987: „Aber auch die Geschichtswissenschaft in München hat dadurch eine Bereicherung erfahren, die die Bedeutung der Stadt als eines Zentrums der historischen Forschung noch zu steigern vermag“.

Die Stipendiaten haben nunmehr während des Kollegjahres Residenzpflicht in München und ein Arbeitszimmer in der Kaulbach-Villa.


1989

Der erste Stipendiatenjahrgang bezeichnet die Kaulbach-Villa als idealen Ort, um in unmittelbarer Nähe zur Bayerischen Staatsbibliothek konzentriert an einem größeren Werk zu arbeiten. Zehn Jahre nach der Gründung kann in der Kaulbach-Villa das Kollegkonzept erstmals in idealer Weise umgesetzt werden. Erst damit wird das von Anfang an verfolgte Ziel erreicht, Gelehrten aus dem gesamten Spektrum der historisch orientierten Wissenschaften aus der ganzen Welt einen angemessenen Ort für Kolloquien, gelehrte Gespräche sowie konzentriertes Schreiben zu bieten.

Am 23. November 1989 findet die dritte Verleihung des Preises des Historischen Kollegs durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker an den Inhaber des Bielefelder Lehrstuhls für Theorie der Geschichte Reinhart Koselleck (1923–2006) statt.

Das Kollegkonzept wird um „Förderstipendien“ erweitert. Das Historische Kolleg bietet damit seit 1989 neben der Elite des Faches (Forschungsstipendien) regelmäßig auch exzellenten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern insbesondere die Möglichkeit, ihre Habilitation im Kollegjahr abzuschließen. Auf diese Weise fördert das Historische Kolleg inzwischen seit mehr als 20 Jahren mit großem Erfolg den wissenschaftlichen Nachwuchs im Fach Geschichte an den deutschen Universitäten.

Eine Woche, nachdem Alfred Herrhausen noch an einer Kuratoriumssitzung teilgenommen und bei der Historikerpreisverleihung für die Stifter ein Grußwort gesprochen hatte, wird der Sprecher der Deutschen Bank am 30. November 1989 Opfer eines terroristischen Mordanschlags. In der Traueranzeige des Historischen Kollegs für Alfred Herrhausen heißt es: „Seiner Tatkraft und seinem über die Pflichten des Tages hinausgehenden historischen Interesse verdankt das Historische Kolleg Gründung und Ausbau, nicht zuletzt die neue Heimstatt in der Kaulbach-Villa“.

1990 

Das Kolleg begeht sein zehnjähriges Bestehen am 22. November 1990 mit einer Veranstaltung im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die gleichzeitig eine Gedenkveranstaltung für den vor einem Jahr ermordeten Alfred Herrhausen ist.[7] Horst Fuhrmann würdigt dessen Verdienste um die Gründung und Entwicklung des Kollegs. Knut Borchardt zeigt in einer „Erinnerung“ an diesen außergewöhnlichen Mann den philosophisch-historischen Hintergrund seines Denkens auf. Als Nachfolger von Alfred Herrhausen tritt der neue Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, in das Kuratorium des Historischen Kollegs ein.

Die Wiederherstellung der Kaulbach-Villa als „Residenz“ des Historischen Kollegs findet mit der Neuanlage des 4.200 qm großen Gartens ihren Abschluss.


1991 

Das Historische Kolleg lädt zu einer Feier zum 65. Geburtstag des Kuratoriumsvorsitzenden Horst Fuhrmann am 1. Juli 1991 ein. Bei dieser Gelegenheit teilt Hilmar Kopper, der Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank, mit, dass sein Haus die Finanzierung des Historischen Kollegs bis zum Jahr 2000 fortsetzen werde. Dem schließt sich der Vorstand des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft an.


1992 

Am 19. November 1992 findet die vierte Verleihung des Preises des Historischen Kollegs statt. Mit dem Preis zeichnet Bundespräsident Richard von Weizsäcker den am 14. Juni 1992 verstorbenen Münchner Historiker Thomas Nipperdey für seine dreibändige „Deutsche Geschichte (1800–1918)“ aus. Über die im März durch die Auswahlkommission getroffene Entscheidung hatte man ihn noch informieren können.

Im Anschluss an die Preisverleihung findet am 20./21. November 1992 das zweite Kolloquium der Mitglieder des Historischen Kollegs, also der bisherigen Stipendiaten, Preisträger und Kuratoren, statt. Auf Vorschlag von Rudolf Vierhaus befassen sich die Mitglieder des Kollegs mit der Frage nach der „Offenheit der Geschichte“, nachdem sich diese Frage infolge der politischen Ereignisse des Jahres 1989 mit Nachdruck stellte (Link: Veröffentlichung).


1993 

Das Kollegjahr eröffnet am 16. November 1993 das ehemalige Kuratoriumsmitglied Rudolf Smend mit dem Vortrag „Mose als geschichtliche Gestalt“.


1994 

Das Kollegjahr wird am 25. November 1994 mit der „Theodor-Schieder-Gedächtnisvorlesung“ eröffnet. Horst Fuhrmann gedenkt zunächst des vor zehn Jahren verstorbenen Gründungsvorsitzenden des Historischen Kollegs. Arnold Esch hält den Vortrag zum Thema „Rom in der Renaissance. Seine Quellenlage als methodisches Problem“.


1995 

Preisträger bei der fünften Verleihung des Preises des Historischen Kollegs am 17. November 1995 ist der Frankfurter Mediävist Johannes Fried. Er erhält die Auszeichnung vornehmlich für sein Buch „Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024“. Die Preisverleihung nimmt Bundespräsident Roman Herzog vor.

In seinem Grußwort betont der Bayerische Staatminister für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst, Hans Zehetmair, das Historische Kolleg habe sich in den vergangenen 15 Jahren einen festen Platz und einen herausragenden Ruf in der Reihe namhafter historischer Forschungseinrichtungen in Deutschland erworben.


1996 

Erstmals erscheint das „Jahrbuch des Historischen Kollegs 1995“ im R. Oldenbourg Verlag. Es tritt an die Stelle der nicht im Buchhandel erhältlichen blauen Hefte, mit denen das Historische Kolleg bis dahin „Vorträge“ und „Dokumentationen“, vor allem der Historikerpreisverleihungen, veröffentlicht hatte. Das Jahrbuch bietet jeweils die Texte aller im jeweiligen Kollegjahr gehaltenen Vorträge; alle drei Jahre kommen die Reden zur Verleihung des Historikerpreises hinzu. Es erscheint bis 2007.

Eberhard Weis eröffnet das Kollegjahr am 22. November 1996 mit dem Vortrag „Hardenberg und Montgelas. Versuch eines Vergleichs ihrer Persönlichkeiten und ihrer Politik“.


1997

Lothar Gall wird am 18. November 1997 zum Vorsitzenden des Kuratoriums des Historischen Kollegs gewählt. Er tritt an die Stelle Horst Fuhrmanns, der dem Kuratorium als Gründungsmitglied seit 1978 angehört hatte und seit November 1984 dessen Vorsitzender gewesen war. In dieser Zeit hat er das Kolleg durch seine Persönlichkeit stark geprägt.

Das Kollegjahr wird am 18. November 1997 mit dem Vortrag vom Peter. G. J. Pulzer „Der Deutsche Michel in John Bulls Spiegel: Das britische Deutschlandbild im 19. Jahrhundert“ eröffnet.


1998

Höhepunkt des Kollegjahres ist die sechste Verleihung des Preises des Historischen Kollegs am 20. November 1998 an den Heidelberger Ägyptologen und Kulturhistoriker Jan Assmann. Die Preisverleihung nimmt Bundespräsident Roman Herzog vor. An die Preisverleihung schließt sich ein Empfang der Bayerischen Staatsregierung im Kaisersaal der Münchner Residenz an.

Von Anfang an hatten der Stiftungsfonds Deutsche Bank und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die Auffassung vertreten, dass an die Stelle der zunächst privaten Finanzierung des Historischen Kollegs eines Tages eine staatliche Finanzierung treten müsse. Schließlich erklärt die Deutsche Bank, dass sie die Förderung mit dem Jahr 1999/2000 einstellen werde. Anschließend stellt sie allerdings dann noch einmal Mittel zur Verfügung, um damit fünf Jahre lang ein Forschungsstipendium finanzieren zu können.  

Im Frühjahr 1998 wird in Verhandlungen mit dem Bayerischen Staatminister für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst, Hans Zehetmair, ein Konsens über ein neues Finanzierungsmodell ab dem Jahr 2000 erzielt: Der Freistaat Bayern stellt weiterhin die Kaulbach-Villa zur Verfügung und übernimmt die Kosten für die Infrastruktur des Historischen Kollegs (Personal, Sachkosten, Haus). In etwa dieselbe Summe muss künftig von privaten Geldgebern jährlich für die Stipendien aufgebracht werden.

1998 liegen Zusagen über die Übernahme der Finanzierung von Forschungsstipendien für jeweils fünf Jahre von der Fritz Thyssen Stiftung, dem Stifterverband und dem DaimlerChrysler-Fonds vor. Auch für das Förderstipendium hat ein dem Stifterverband verbundenes Unternehmen eine mehrjährige Förderung in Aussicht gestellt.

Rechtsträger des Historischen Kollegs soll ab dem Jahr 2000, darauf haben sich der Stifterverband sowie das Bayerische Kultus- und Finanzministerium geeinigt, die „Stiftung zur Förderung der Historischen Kommission“ werden, der diese Aufgabe zusätzlich übertragen wird. Allerdings sollen beide Einrichtungen auch in Zukunft unverändert ihre Aufgaben unabhängig voneinander erfüllen. Entsprechend werden auch die Haushalte separat geführt.


1999 

Das Kollegjahr wird am 13. Dezember 1999 mit der „Theodor-Schieder-Gedächtnisvorlesung“ eröffnet. Winfried Schulze spricht zum Thema „Zeitwahrnehmung und Jahrhundertwenden in der Neuzeit“. Das Kuratorium verabschiedet mit Blick auf die ab 1. Oktober 2000 neu strukturierte Finanzierung ein neu gefasstes „Statut des Historischen Kollegs“.

Es ändert sich auch die Zusammensetzung des Kuratoriums: Nunmehr gibt es neben den sechs gewählten Mitgliedern folgende Kuratoriumsmitglieder ex officio:

○ der/die Vizepräsident/in der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Geisteswissenschaften (DFG),
○ der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
○ der Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
○ der Sekretär der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und
○ der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Ständige Gäste des Kuratoriums sind die Vertreter der privaten Zuwendungsgeber.

2000 

Das Jahr bedeutet eine Zäsur in der Geschichte des Historischen Kollegs. Nach zwanzig Jahren endet die rein private Finanzierung. An deren Stelle tritt ab dem Kollegjahr 2000/2001 (1. Oktober 2000) eine „public private partnership“. Der Freistaat Bayern stellt von nun an mit der Grundfinanzierung und der mietfrei zur Verfügung gestellten Kaulbach-Villa die Hälfte der jährlich benötigten Mittel zur Verfügung. Die für die Finanzierung der Stipendien benötigte andere Hälfte der Mittel kommt auch weiterhin von privaten Geldgebern.

Um das Historische Kolleg bei der Kontaktaufnahme zu privaten Geldgebern zu unterstützen, hat sich bereits Ende 1999 der „Freundeskreis des Historischen Kollegs e.V.“ etabliert, an dessen Spitze Hilmar Kopper tritt.

Rechtsträger des Historischen Kollegs wird nunmehr anstelle der „Stiftung Historisches Kolleg“ die „Stiftung zur Förderung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Historischen Kollegs“. Vorsitzender der Stiftung ist qua Amt der Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Michael Stolleis eröffnet das Kollegjahr am 20. November mit dem Vortrag „Das Auge des Gesetzes. Materialien zu einer neuzeitlichen Metapher“.[8]


2001 

Bei der siebten Verleihung des Preises des Historischen Kollegs erhält der Freiburger Neuhistoriker Wolfgang Reinhard am 23. November 2001 die Auszeichnung („Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart“) aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau. Der Preis wird letztmalig vom Stiftungsfonds Deutsche Bank dotiert.

Der 1999 geschaffene „Freundeskreis des Historischen Kollegs“ zählt bereits rund 100 Mitglieder.


2002 

Nach der Veränderung der Finanzierung im Jahr 2000 muss sich das Historische Kolleg erstmals auf Grund staatlicher Sparmaßnahmen gewisse Beschränkungen auferlegen, die allerdings noch sehr moderat ausfallen.

Aus Restmitteln aus einer Zuwendung des Stiftungsfonds Deutsche Bank wird ein besonderer „Stiftungsfonds“ geschaffen, dessen Erträge die Dotierung des „Preises des Historischen Kollegs“ sicherstellen, sollte einmal kein anderer Förderer diese Aufgabe übernehmen.

Der Freundeskreis des Historischen Kollegs lädt am 24. September 2002 erstmals zu einem Konzert in das Historische Kolleg ein und begründet damit die neue Tradition der Sommerkonzerte.

Jochen Martin eröffnet am 18. November 2002 das Kollegjahr 2002/2003. Das Thema lautet: „Rom und die Heilsgeschichte. Beobachtungen zum Triumphbogenmosaik von S. Maria Maggiore in Rom“.


2003 

Wolfgang Frühwald eröffnet das Kollegjahr 2003/2004 am 17. November 2003 mit dem Vortrag „“’Wer es gesehen hat, der hat es auf sein ganzes Leben’. Die italienischen Tagebücher der Familie Goethe“.


2004

Am 12. November 2004 verleiht Bundespräsident Horst Köhler den Preis des Historischen Kollegs an den Wiener Wirtschafts- und Sozialhistoriker Michael Mitterauer. Die Dotierung des Preises stellt bei der achten Preisverleihung die DaimlerChrysler AG zur Verfügung. Ministerpräsident Edmund Stoiber verleiht bei dieser Gelegenheit seiner Freude Ausdruck, das Historische Kolleg als „Einrichtung der historischen Eliteförderung“ in München und Bayern zu wissen. Damit verbindet er auch eine finanzielle Garantie: „Vor wenigen Jahren übernahm dann der Freistaat Bayern für diese hochgeschätzte Einrichtung die finanzielle Grundsicherung. Seien Sie daher heute alle versichert, daß ich mich dem Historischen Kolleg in der Tradition von Franz Josef Strauß verbunden fühle“.


2005

Am 27. Juni 2005 feiert das Historische Kolleg in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen eines Festakts sein 25-jähriges Jubiläum. Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Thomas Goppel, bezeichnet dabei die Entwicklung des Kollegs als Erfolgsgeschichte und rühmt die Einrichtung bei dieser Gelegenheit als „Glanzlicht der bayerischen Forschungslandschaft“.

Zum Jubiläum erscheint eine Festschrift „25 Jahre Historisches Kolleg. Rückblick – Bilanz – Perspektiven“, in der ehemalige Stipendiaten und Kuratoriumsmitglieder ihre Gedanken zur Zukunftsperspektive des Kollegs formulieren. Jürgen Kocka hält einprägsam zur Kollegidee fest, Forschern die Möglichkeit von „Einsamkeit und Freiheit“ zu gewähren: „Auf den ersten Blick mag das Konzept des Historischen Kollegs als wenig zeitgemäß erscheinen. Diese scheinbare Unzeitgemäßigkeit macht aber mehr denn je seine eigentliche Zeitgemäßigkeit aus“.


2006

Die Bayerische Staatsregierung beschließt im Rahmen ihrer auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt zielenden Finanzpolitik, die Förderung des Historischen Kollegs einzustellen. Dieser Beschluss wird nach massiven Protesten, u. a. in der überregionalen Presse, zurückgenommen, die finanzielle Förderung allerdings auf einer niedrigen Basis für die kommenden Jahre eingefroren. Den gemeinsamen Bemühungen des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, namentlich von Staatsminister Thomas Goppel und Ministerialdirektor Friedrich-Wilhelm Rothenpieler, des Kuratoriums des Historischen Kollegs sowie des Kuratoriums des Freundeskreises des Historischen Kollegs, hier in ganz besonderer Weise den diskreten Bemühungen S.K.H. Herzog Franz von Bayerns, gelingt es, in dieser Phase bis einschließlich 2008 zusätzliche Mittel unter anderem von E.ON Bayern, BMW und AUDI zu erschließen, um die Grundfinanzierung des Historischen Kollegs sicherzustellen. Die privaten Förderer halten trotz dieser Krise unvermindert an ihrem Engagement zugunsten des Historischen Kollegs fest.

Durch die Förderung eines Unternehmens, das nicht genannt werden möchte, wird es erstmals im 27. Kollegjahr (2006/2007) möglich, zwei Förderstipendien zu vergeben.

Klaus Hildebrand eröffnet das Kollegjahr 2006/2007 mit dem Vortrag „Globalisierung 1900. Alte Staatenwelt und neue Weltpolitik an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert“.


2007

Am 9. November 2007 verleiht Bundespräsident Horst Köhler den Preis des Historischen Kollegs an Gerhard A. Ritter („Der Preis der deutschen Einheit. Die Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats“). 2007 und 2008 muss das Historische Kolleg weiterhin mit einem deutlich reduzierten staatlichen Zuschuss wirtschaften.

Sehr erfreulich ist es in dieser Situation, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung dem Historischen Kolleg Mittel zur Durchführung einer internationalen Konferenz zum Thema „Judaism, Christianity, and Islam in the Course of History: Exchange and Conflicts“ im Jahr 2009 bewilligt. Thematisch schließt die Konferenz an das Kolloquium der Mitglieder des Historischen Kollegs anlässlich der Historikerpreisverleihung 2007 zum Thema „Heilige Kriege. Religiöse Begründungen militärischer Gewaltanwendung: Judentum, Christentum und Islam im Vergleich“ (Kolloquien Bd. 78) an, das Klaus Schreiner angeregt hatte.

Georg Kalmer, seit der Gründung des Kollegs dessen Geschäftsführer, scheidet zum 30. September 2007 aus dieser Funktion aus. Sein Nachfolger wird Karl-Ulrich Gelberg, der seit 2005 Geschäftsführer der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist. Damit wird die schon zuvor bestehende Personalunion in der Geschäftsführung beider Einrichtungen wieder hergestellt.

Mit dem Jahrgang 2007 stellt das „Jahrbuch des Historischen Kollegs“, das seit 1995 die Vorträge der Kollegjahre in einem Band dokumentiert hat, sein Erscheinen ein. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Die Stipendiaten drängen darauf, ihre Vorträge in den für ihr jeweiliges Fachgebiet einschlägigen Periodika veröffentlichen zu können. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zu den relativ geringen Abonnements.


2008

Das 29. Kollegjahr wird am 10. November 2008 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit dem Vortrag des Kuratoriumsmitglieds Martin Jehne (Dresden) „Die kleine Welt der städtischen Politik und das große Imperium. Überlegungen zu Krise und Untergang der römischen Republik“ eröffnet. Durch Kooperationen mit der LMU und anderen Partnern betreibt das Historische Kolleg sehr erfolgreich eine noch stärkere Profilierung der Kaulbach-Villa als Zentrum der historischen Forschung in München. Gemeinsam mit der Hanns-Seidel-Stiftung veranstaltet das Kolleg ferner am 6. Oktober 2008 zum 20. Todestag von Franz Josef Strauß ein Symposion zum Thema „Franz Josef Strauß – eine politische Biographie“.


2009

In Kooperation mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der LMU findet vom 16. bis 18. März 2009 die Internationale Konferenz „Judaism, Christianity, and Islam in the Course of History: Exchange and Conflicts“ statt. Den Eröffnungsvortrag hält Friedrich Wilhelm Graf (München) über das Thema „Der eine Gott in vielerlei Gestalt. Die konfliktreiche Pluralisierungs-dynamik in den drei monotheistischen Weltreligionen“(Kolloquien Bd. 82).

20 Jahre nach der Etablierung des Förderstipendiums erweitert das Kuratorium das Stipendienangebot des Historischen Kollegs um ein „Honorary Fellowship“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können nun neben den Forschungs- und Förderstipendiaten auch für kürzere Zeit (maximal 6 Monate) in der Kaulbach-Villa wohnen und arbeiten. Das Stipendium richtet sich an ehemalige Fellows, Gelehrte aus dem In- und Ausland, die aus dem Universitätsdienst bereits ausgeschieden sind, sowie aktive Hochschullehrer, die ihr Sabbatical fern der eigenen Universität verbringen möchten. Sie erhalten so die Möglichkeit, die inspirierende Arbeitsatmosphäre der von Gabriel von Seidl errichteten Künstlervilla im Herzen Münchens für den Abschluss eines größeren wissenschaftlichen Projektes zu nutzen.

Mit Mitteln der Philip Morris Stiftung wird die Podiumsdiskussionsreihe „Blick zurück nach vorn“ etabliert. Sie richtet sich an ein breiteres und jüngeres Publikum und bemüht sich, aktuelle Fragestellungen um eine historische Perspektive zu erweitern. Die erste Staffel im Kollegjahr 2009/2010 steht unter der Überschrift „Mit allen Sinnen“. Medienpartner ist BR-alpha.

Das Kollegkonzept ruht nunmehr auf vier Säulen: den Stipendien, der Vergabe des Preises des Historischen Kollegs, Vorträgen und Kolloquien in der Kaulbach-Villa für ein Fachpublikum sowie der neuen öffentlichkeitswirksamen Gesprächsreihe am selben Ort.

Am 9. November 2009 eröffnet Hans-Werner Hahn das 30. Kollegjahr im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit dem Vortrag „’Bismarcks Spinne im bayerischen Netz’? Georg von Werthern – Preußischer Gesandter in München 1867-1888“.


2010

Dieter Langewiesche ist der erste „Honorary Fellow“ des Historischen Kollegs. Er hält am 15. März 2010 den Vortrag: „Humboldt als Leitbild? Die deutsche Universität in den Reden ihrer Rektoren im 19. und 20. Jahrhundert“. Im Sommer folgt Aliza Cohen (Jerusalem). Die Kunsthistorikerin arbeitet in München mit illuminierten hebräischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek.  

2010/2011 wird die Podiumsdiskussionsreihe „Blick zurück nach vorn“ mit dem Thema „Weise, mutig und gerecht. Tugenden heute“ fortgesetzt. Medienpartner ist für diese zweite Staffel DRadio Wissen.

Am 5. November 2010 findet in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die zehnte Verleihung des „Preises des Historischen Kollegs“ statt. Bundespräsident Christian Wulff verleiht den Preis an den in Cambridge lehrenden australischen Historiker Christopher Clark („Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947“).

 

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Anmerkungen

[1] Thomas Nipperdey: Wozu noch Geschichte? In: Wolfgang Hardtwig (Hg.): Über das Studium der Geschichte. München 1990, S. 366-388, zuerst erschienen in: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hg.): Die Zukunft der Vergangenheit. Lebendige Geschichte – Klagende Historiker. München 1975, S. 34-57.

[2] Ansprache des Vorstandsmitglieds der Deutschen Bank Dr. Alfred Herrhausen. In: Lothar Gall (Hg.): 25 Jahre Historisches Kolleg. Rückblick - Bilanz - Perspektiven. München 2006, S. 291-293.

[3] Ansprache des Vorsitzenden des Kuratoriums Professor Dr. Theodor Schieder. In: Lothar Gall: 25 Jahre Historisches Kolleg. Rückblick - Bilanz - Perspektiven. München 2006, S. 283-287.

[4] Bayerische Akademie der Wissenschaften: Jahrbuch 2004. München 2005, S. 151f.

[5] Nachdem der 42. Historikertag in Frankfurt am Main  sich 1998 u. a. kritisch mit dem Wirken Theodor Schieders während des Nationalsozialismus auseinandergesetzt hatte, entfiel die Titulatur für den Vortrag zur Eröffnung des Kollegjahres seit 2003/2004.

[5a] Helmut Neuhaus: Horst Fuhrmann und das Historische Kolleg. In: Martina Hartmann/Claudia Märtl (Hg.): Von Kreuzburg nach München. Horst Fuhrmann - Lebensstationen eines Historikers. Köln/Weimar/Wien 2013, S.67-80.

[6] Horst Fuhrmann: Die Lehre vom Haus und das Haus der Gelehrten. In: Ders. (Hg.): Die Kaulbach-Villa als Haus des Historischen Kollegs. Reden und wissenschaftliche Beiträge zur Eröffnung. München 1989, S. 17-36.

[7] Stiftung Historisches Kolleg im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: Historisches Kolleg 1980-1990. Vorträge anläßlich des zehnjährigen Bestehens und zum Gedenken an Alfred Herrhausen. München 1991, 63 S.

[8] Stolleis, Michael: Das Auge des Gesetzes. Geschichte einer Metapher. München 2004. 88 S.