Aktuelles

Karl-Joachim Hölkeskamp mit dem Karl-Christ-Preis 2017 ausgezeichnet

Mit Karl-Joachim Hölkeskamp erhält ein ehemaliger Forschungsstipendiat des Historischen Kollegs den Karl-Christ-Preis für Alte Geschichte 2017. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis, der dem Andenken an den Marburger Althistoriker Karl Christ gewidmet ist, wird 2017 zum dritten Mal verliehen. Er zeichnet im alle zwei Jahre herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Alten Geschichte und ihrer Nachbardisziplinen sowie der Wissenschafts- und Rezeptionsgeschichte des Altertums aus und wird im Wechsel an den Universitäten Frankfurt am Main und Bern vergeben.

Zusammen mit Karl-Joachim Hölkeskamp wird seine Ehefrau Elke Stein-Hölkeskamp geehrt. Das Ehepaar habe über viele Jahre hinweg wichtige altertumswissenschaftliche Vorhaben und Publikationen vorbereitet und umgesetzt, so die Jury: "Beide haben eine Vielzahl herausragender althistorischer Publikationen vorgelegt, die maßgeblich die Diskussionen um das archaische Griechenland und die römische Republik beeinflussen, immer wissenschaftsgeschichtlich reflektiert sind, theoretische Zugänge zur Alten Geschichte offensiv vertreten und weit über die Grenzen des Faches hinaus rezipiert werden." Durch ihre "intellektuelle Neugierde" hätten sie neue Perspektiven eröffnet und durch zahlreiche Kontakte die deutschsprachige Althistorie mit der internationalen Forschung vernetzt, so die Begründung der Auswahlkommission.

Karl-Joachim Hölkeskamp lehrt an der Universität zu Köln. Er war im Kollegjahr 2005/2006 am Historischen Kolleg und arbeitete hier an einem Forschungsvorhaben zum Thema "Republik der Rituale. Pomp und Prozessionen in der politischen Kultur des antiken Rom". Der von ihm herausgegebene Sammelband zu seinem Kolloquium widmet sich der politischen Kultur in der Krise der römischen Republik. Elke Stein-Hölkeskamp ist derzeit als Gastprofessorin für Antike Kulturgeschichte an der LMU München. Das Historische Kolleg gratuliert herzlich zur Zuerkennung des Karl-Christ-Preises.

Internationaler Forschungspreis für französische Deutschlandhistorikerin Miard-Delacroix

Der Internationale Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg, der 2017 zum dritten Mal verliehen wird, geht an die international renommierte französische Deutschlandhistorikerin Hélène Miard-Delacroix. "Mit ihren Forschungsleistungen, insbesondere zur deutsch-französischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, hat sie Maßstäbe gesetzt. Der wichtige Forschungstrend der 'verflochtenen Geschichte' (histoire croisée) verdankt ihren Arbeiten entscheidende innovative Impulse", begründet Hans van Ess, Vorsitzender der Auswahlausschusses und Präsident der Max Weber Stiftung, die Juryentscheidung. Zugleich gehöre sie mit ihren vielfältigen Aktivitäten auch in der weiteren Medienöffentlichkeit zu den aktuell wichtigsten Vermittlern zwischen den französischen und deutschen Wissenschaftskulturen.

Miard-Delacroix wurde 1989 an der Sorbonne zur Frankreichpolitik des Kanzlers Helmut Schmidt in den 1970er und 1980er Jahren promoviert. Nach zahlreichen Lehr- und Forschungsaufträgen als Maître de conférence und Chargée en cours in Tours und an der Sorbonne in Paris habilitierte sie sich im Jahr 2002 über das Wiederaufkommen des bundesdeutschen Nationalismus seit den 1950er Jahren und dessen Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Frankreich. 2003 erhielt sie den Ruf an die École Normale Supérieure Lettres et Sciences Humaines in Lyon und kehrte fünf Jahre darauf als Inhaberin des Lehrstuhls für deutsche Zeitgeschichte am Institut für Germanistik an die Sorbonne (Paris IV) zurück. Sie ist Mitglied zahlreicher akademischer Gremien in beiden Ländern sowie Trägerin des deutschen Bundesverdienstkreuzes und des französischen Ordre des Palmes Académiques. Dass ihre 2013 erschienene Biografie über Willy Brandt im letzten Jahr auch ins Englische übersetzt wurde, belegt ihr internationales Renommee.
 
Mit dem Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg sollen herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr bisheriges Gesamtschaffen ausgezeichnet werden, die sich in vorbildlicher Weise um international ausgerichtete, geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung verdient gemacht haben. Der Internationale Forschungspreis ist mit 30.000 Euro dotiert. Mit dem Preis verbunden ist darüber hinaus die Einladung zu einem Forschungsaufenthalt in München und zur Durchführung eines internationalen Kolloquiums am Historischen Kolleg. Bisherige Preisträger waren die US-amerikanische Historikerin Isabel V. Hull und der französische Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman.
 
Die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland fördert die Forschung mit Schwerpunkten auf den Gebieten der Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in ausgewählten Ländern und damit das gegenseitige Verständnis. Sie unterhält zurzeit weltweit zehn Institute sowie weitere Forschungsgruppen und Büros. Mit ihren Infrastrukturen bietet die MWS beste Voraussetzungen für exzellente geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, die durch unmittelbare Nähe zu den Forschungsgegenständen und im Austausch unterschiedlicher Perspektiven und Herangehensweisen entsteht.
 
Das Historische Kolleg, gegründet 1980 in München, ist ein "Institute for Advanced Study" der historisch orientierten Wissenschaften. Es gewährt Fellows aus dem In- und Ausland durch ganzjährige Stipendien den Freiraum, konzentriert an einem Buch zu arbeiten. Durch die Vorträge und Tagungen der Fellows sowie durch hochkarätige Kooperations- und Gastveranstaltungen in der Kaulbach-Villa ist das Kolleg zudem ein internationales Zentrum des geschichtswissenschaftlichen Diskurses.

Helene Miard-Delacroix erhält den Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg
(Foto: Alain Mandel)
Helene Miard-Delacroix erhält den Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg (Foto: Alain Mandel)

ARD-alpha sendet Vorträge von Fellows des Historischen Kollegs

Der Bildungskanal ARD-alpha hat erneut zwei Stipendiatenvorträge aus dem Historischen Kolleg in der Reihe "alpha-Campus Auditorium" gesendet. Unter dem Titel "Frauen in gotischen Kriegergruppen" wurde Professor Hans-Ulrich Wiemers Referat über die Rolle von Frauen in der gotischen Gesellschaft zur Zeit Theoderichs des Großen ausgestrahlt. Mit "Netzwerken deutscher Händler im 18. Jahrhundert" am Beispiel Venedigs beschäftigte sich der Vortrag von Dr. Magnus Ressel. Beide Fellows hatten ihre Vorträge im vergangenen Kollegjahr 2015/2016 in öffentlichen Abendveranstaltungen am Historischen Kolleg gehalten. Die beiden Vorträge können auf Homepage von ARD-alpha angeschaut werden.

Auch in diesem Kollegjahr werden wieder einzelne Vorträge der Stipendiatinnen und Stipendiaten vom Bildungskanal der ARD aufgezeichnet und ausgestrahlt. Des Weiteren arbeitet das Historische Kolleg mit dem Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung LISA zusammen und veröffentlicht dort selbst Videos von interessanten Veranstaltungen.

Aufzeichnung des Vortrags von Dr. Magnus Ressel durch ARD-alpha
Aufzeichnung des Vortrags von Dr. Magnus Ressel durch ARD-alpha

Historisches Kolleg schreibt fünf Stipendien für das 2018/2019 aus

Fellowships im Historischen Kolleg

Das Historische Kolleg ist ein "Institute for Advanced Study" der historisch orientierten Wissenschaften. Es bietet namhaften, hervorragend qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des In- und Auslandes für die Dauer eines Kollegjahres (vom 1. Oktober bis zum 31. September des Folgejahres) eine exzellente Arbeitsatmosphäre, um in der Kaulbach-Villa zwischen Bayerischer Staatsbibliothek und Englischem Garten eine monografische wissenschaftliche Arbeit abzuschließen. Freigestellt von sonstigen Verpflichtungen, können sie sich ganz auf ihr wissenschaftliches Vorhaben konzentrieren.

Während des Kollegjahres besteht Präsenzpflicht in München. Büros in der Kaulbach-Villa stehen zur Verfügung. Die Fellows werden von Hilfskräften unterstützt. Die Geschäftsstelle des Kollegs ist bei der Wohnungssuche behilflich. Zuschüsse zur Miete werden gewährt.

Zwei Forschungsstipendien

Für das Kollegjahr 2018/2019 vergibt das Historische Kolleg zwei Forschungsstipendien. Davon ist ein Stipendium frei für Bewerbungen aller historischen Fachrichtungen und Epochen, das andere, das Forschungsstipendium des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) beim Historischen Kolleg, wird epochenspezifisch für Forschungen zum "langen 20. Jahrhundert" vergeben. Die Zuerkennung ist zugleich eine Würdigung der bisherigen Leistungen der ins Kolleg berufenen Fellows. Bewerben können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch herausragende Forschungsleistungen ausgewiesen sind und sich in besonderem Maße an der akademischen Lehre und Selbstverwaltung beteiligt haben.

Von deutschen Stipendiaten wird erwartet, dass sie unter Fortzahlung ihrer Bezüge beurlaubt werden. Das Kolleg übernimmt für sie die Vertretungskosten (Orientierung an der W 2-Besoldung; s. Richtlinien des Historischen Kollegs für die Vergabe von Stipendien). Die Mittel für die Forschungsstipendien stellen die Fritz Thyssen Stiftung, der Freistaat Bayern und das Institut für Zeitgeschichte zur Verfügung.

Die Fellows präsentieren im Laufe des Kollegjahres die Ziele und Ergebnisse ihrer Arbeit in einem öffentlichen Vortrag. Außerdem erhalten sie die Gelegenheit, während ihres Aufenthaltes ein fachwissenschaftliches Kolloquium zu ihrem Forschungsthema auszurichten, dessen Ergebnisse in der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien" publiziert werden.

Drei Förderstipendien

An drei junge Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler, die bereits besonders ausgewiesen sind, werden Förderstipendien vergeben. Diese dienen vornehmlich dazu, Habilitationsschriften abzuschließen. Die Vergütung dieser Stipendien orientiert sich an der W 2-Besoldung. Die Förderstipendiaten und Förderstipendiatinnen halten einen öffentlichen Vortrag, in dem sie ihr Forschungsthema vorstellen. Eine forschungsorientierte Veranstaltung richtet sich an die Studierenden des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Derzeit dotieren unter anderem die Gerda Henkel Stiftung, das Deutsche Stiftungszentrum, das Historische Seminar der LMU und der Freundeskreis des Historischen Kollegs die Förderstipendien.

Honorary Fellowship

Zusätzlich zu den Jahresstipendien können sich herausragende Gelehrte auch darum bewerben, für kürzere Zeit (maximal ein halbes Jahr) im Historischen Kolleg zu wohnen und zu forschen. Nähere Informationen zum Honorary Fellowship finden sich hier.

Auswahl

Die Auswahl der Fellows nimmt das Kuratorium des Historischen Kollegs vor; zusätzlich werden externe Gutachten eingeholt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Dem Kuratorium gehören an

  • Professor Dr. Andreas Wirsching (Vorsitzender)
  • Professor Dr. Helmut Neuhaus (Stellvertretender Vorsitzender)

Persönliche Mitglieder

  • Professor Dr. Hartmut Leppin
  • Professor Dr. Susanne Lepsius
  • Professor Dr. Frank Rexroth
  • Professor Dr. Martin Schulze Wessel
  • Professor Dr. Willibald Steinmetz
  • Professor Dr. Andreas Wirsching

Mitglieder kraft Amtes

  • Präsident/-in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • Vizepräsident/-in der Deutschen Forschungsgemeinschaft
  • Präsident/-in der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • Sekretär/-in der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • Vertreter/-in des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Vertreter/-innen der privaten Zuwendungsgeber

Bewerbung

Folgende Unterlagen werden für eine Bewerbung benötigt:

  • Lebenslauf,
  • Schriftenverzeichnis,
  • Arbeitsplan, der ausführliche Angaben insbesondere zu folgenden Punkten enthalten soll: Art und Ziel des Vorhabens, detaillierte Beschreibung des Stands der bereits geleisteten Vorarbeiten (Teilmanuskript bzw. präzise, aussagekräftige Gliederung),
  • halbseitige Zusammenfassung des Buchprojekts,
  • geplante Archiv- und Bibliotheksreisen,
  • Namen von Institutionen und Wissenschaftlern, mit denen die Antragstellerin/der Antragsteller in München kooperieren möchte,
  • Thema des Kolloquiums (nur bei einer Bewerbung um ein Forschungsstipendium),
  • Angaben über den frühesten Zeitpunkt, zu dem eine Beurlaubung gewährt und das Stipendium angetreten werden kann,
  • Erläuterungen zur benötigten Wohnung.

Aus der Bewerbung muss deutlich hervorgehen, dass das Werk im Kollegjahr abgeschlossen und nach Möglichkeit im Folgejahr publiziert werden kann.

Die Bewerbungsfrist endet am 30. April 2017.

Bewerbungen sind zu richten an den

Geschäftsführer des Historischen Kollegs
Dr. Karl-Ulrich Gelberg
Kaulbachstraße 15
80539 München
karl-ulrich.gelberg@historischeskolleg.de.

Alle Bewerbungen werden vertraulich behandelt.

ARD-alpha sendet Vortrag des Historikerpreisträgers

Der Bildungskanal ARD-alpha hat den Festvortrag, den Professor Dr. Karl Schlögel anlässlich der Verleihung des "Preises des Historischen Kollegs" gehalten hat, ausgestrahlt. Bei dem Festakt in den Räumen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften am 11. November 2016 sprach der Osteuropahistoriker Schlögel über das Thema "Melancholie und Geschichtsschreibung". Teile dieses Vortrags wurden nun in der Reihe "alpha-Campus Auditorium" gezeigt. Die Sendung ist in der Mediathek online abrufbar. Eine umfassende schriftliche Dokumentation aller Reden der Preisverleihung ist durch das Historische Kolleg in Vorbereitung.

Fellows für das Kollegjahr 2017/2018 berufen

Das Kuratorium des Historischen Kollegs hat die Forschungs- und Förderstipendien für das 38. Kollegjahr 2017/2018 (Beginn: 1. Oktober 2017) vergeben.

Als Forschungsstipendiatin und Forschungsstipendiat werden in der Kaulbach-Villa zu folgenden Themen arbeiten:

  • Professor Dr. Monica RÜTHERS (Hamburg) über "'Die Kinder sind unsere Zukunft' – Eine Ikonografie der sowjetischen Kindheit"; Frau Rüthers erhält das Stipendium des Instituts für Zeitgeschichte beim Historischen Kolleg,
  • Professor Dr. Marian FÜSSEL (Göttingen) über "Der siebenjährige Krieg aus der Nähe. Eine Mikrogeschichte des Globalen"; Herr Füssel ist Stipendiat der Fritz Thyssen Stiftung.

Folgende Förderstipendiatin und folgende Förderstipendiaten werden 2017/2018 am Historischen Kolleg den Abschluss ihrer Habilitation zu diesen Themen vorbereiten:

  • Dr. Anette SCHLIMM (LMU München) über "Übergangsgesellschaften. Zur Politik und Politisierung im ländlichen Raum, 1850 bis 1950"; Frau Schlimm ist Stipendiatin der Gerda Henkel Stiftung,
  • Dr. Christian JASER (HU Berlin) über "Vorreiter. Agonale Sportkulturen des 15. Jahrhunderts am Beispiel italienischer und oberdeutscher Palio- und Scharlach-Pferderennen"; Herr Jaser ist Stipendiat des Historischen Seminars der LMU und des Freundeskreises des Historischen Kollegs,
  • Dr. Johannes WIENAND (Düsseldorf) über "Sterben für polis und archē? Epitaphios Logos und politischer Diskurs im klassischen Athen".

Mit den neuen Fellows sind seit der Gründung des Historischen Kollegs im Jahr 1980 insgesamt 147 Fellows in den Genuss eines einjährigen Stipendiums gelangt.

Karl Schlögel mit dem Preis des Historischen Kollegs ausgezeichnet

Der Osteuropahistoriker Karl Schlögel wurde heute mit dem "Preis des Historischen Kollegs" ausgezeichnet. Der zum zwölften Mal verliehene Preis ist mit 30.000 € dotiert und hat sich als Deutscher Historikerpreis etabliert. Schlögel erhielt die Auszeichnung vornehmlich für sein Buch "Terror und Traum. Moskau 1937" (Hanser Verlag: München 2008).

Bereits zum dritten Mal stellte die Alfred und Cläre Pott-Stiftung, deren Vorsitzender Klaus Liesen ist, die Dotierung des Preises zur Verfügung. Die Stiftung ist benannt nach dem Gründungsvorstand der Ruhrgas AG, Alfred Pott und seiner Ehefrau Cläre.

Der Kuratoriumsvorsitzende des Historischen Kollegs, Andreas Wirsching, erklärte in seiner Begrüßung im vollbesetzten Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in der Münchner Residenz, dass der Preisträger sich unter anderem dadurch auszeichne, dass er sich auch in aktuelle politische Fragen etwa in Bezug auf Russland und die Ukraine einmische und pointiert Stellung beziehe. Der Kuratoriumsvorsitzende unterstrich: "Ich halte es für dringend notwendig, dass Wissenschaftler dies tun. Auch aus diesem Grund freue ich mich, dass Ihnen heute der Preis des Historischen Kollegs 2016 verliehen wird".

Der Bayerische Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Ludwig Spaenle unterstrich in seinem Grußwort, dass Geschichtsbewusstsein zu den Grundlagen eines Kulturstaates gehöre. Dazu leiste das Historische Kolleg einen wichtigen Beitrag.

In seiner Laudatio auf den Preisträger stellte Martin Schulze Wessel, Mitglied des Kuratoriums des Historischen Kollegs und Vorsitzender des Collegium Carolinums, einen aktuellen politischen Bezug her: Man könne über Schlögels "Terror und Traum. Moskau 1937" heute nicht sprechen, ohne daran zu erinnern, dass sich das russische Justizministerium gerade anschicke, die Tätigkeit der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial" zu verbieten, die den Opfern der Verbrechen der Stalinzeit eine Stimme gegeben habe. Mit Karl Schlögel, so Schulze Wessel, erhalte ein Geschichtswissenschaftler den Historikerpreis, der in seinem Werk große Fragen der Geschichte Russlands und Osteuropas mit einer eigenen erzählerischen Signatur und einer spezifischen Methodik behandle, bei der die Topografie ein zentrale Rolle spiele. Der Titel eines anderen Werkes von Schlögel, mittlerweile fast sprichwörtlich geworden, fasse diesen Zugang in die prägnante Formel "Im Raume lesen wir die Zeit". Bereits drei Jahrzehnte bevor die Synchronizität zum Charakteristikum der Globalgeschichtsschreibung geworden sei, habe Schlögel so gearbeitet. Dieser Methode, die es erlaubt, zeitgleiche Prozesse und temporale Schichten zu rekonstruieren, folge auch "Terror und Traum. Moskau 1937", das, so der Laudator abschließend, "große Geschichtsschreibung und Literatur" sei.

Seinen Festvortrag widmete Karl Schlögel dem Thema "Melancholie und Geschichtsschreibung". Insbesondere betonte er deren mögliche erkenntnisfördernde Dimension: "Melancholie ist eben nicht Träumerei und Hirngespinst, sondern genaues Hinsehen, Wachheit, geschärfter Sinn für Übergänge, für Mischungsverhältnisse, für das was der Fall ist, diesseits der Utopie". In seiner Rede stellte der Preisträger auch Bezüge zur aktuellen Situation in Russland her.

Begrüßung durch den Vorsitzenden des Kuratoriums Professor, Dr. Andreas Wirsching

Grußwort des Bayerischen Staatsministers für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Dr. Ludwig Spaenle

Laudatio auf den Preisträger von Prof. Dr. Martin Schulze Wessel

Vortrag der Preisträgers Prof. Dr. Karl Schlögel

Foto des Preisträgers (Foto: © Peter-Andreas Hassiepen)

Aufzeichnung des Vortrags bei ARD-alpha

Bilder von der Preisverleihung

Professor Dr. Karl Schlögel, der Träger des Preises des Historischen Kollegs 2016
© Peter-Andreas Hassiepen
Professor Dr. Karl Schlögel, der Träger des Preises des Historischen Kollegs 2016

Neuerscheinung: Transatlantische Demokratie im 20. Jahrhundert

Transatlantische Demokratie im 20. Jahrhundert – das ist mehr als eine US-amerikanische Mission in Europa nach den beiden Weltkriegen, mehr als Reeducation und Ende des deutschen Sonderwegs. Nach dem Untergang des sowjetischen Imperiums und dem scheinbar endgültigen Sieg des westlichen Modells steht die Demokratie neu auf dem Prüfstand. Sie ist nun konfrontiert mit den Herausforderungen von Postdemokratie und Populismus – damit verändert sich auch der Blick auf ihre transatlantische Geschichte.

Der neue Band aus der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien" beschäftigt sich mit der Geschichte der Demokratie im 20. Jahrhundert. Dabei nimmt er vor allem die Transfer- und Transformationsprozesse zwischen den USA und Europa in den Blick. In zehn Aufsätzen blicken Paul Nolte und neun weitere renommierte Historiker, Kulturwissenschaftler und Amerikanisten auf die transatlantische Demokratiegeschichte.

"Transatlantic Democracy in the Twentieth Century. Transfer and Transformation" ist als Band 96 der Reihe "Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien" im Verlag De Gruyter/Oldenbourg erschienen. Eine Übersicht über die gesamte Reihe sowie zahlreiche Bände als pdf-Datei zum kostenlosen Herunterladen und Durchsuchen finden sich auf der Homepage des Historischen Kollegs.

Band 96 geht auf das internationale Kolloquium "Transatlantische Demokratie im 20. Jahrhundert: Transfer und Transformation/Transatlantic Democracy in the 20th Century: Transfer and Transformation" zurück, das Professor Dr. Paul Nolte am Historischen Kolleg durchgeführt hat. Paul Nolte war im Kollegjahr 2012/2013 Senior Fellow des Historischen Kollegs München. Er ist Professor für Neuere Geschichte/Zeitgeschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Das Stipendium und das Kolloquium wurden von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert.

Paul Nolte (Hg.): Transatlantic Democracy in the Twentieth Century. Transfer and Transformation. Berlin/Boston 2016, XI, 191 S. ISBN 978-3-11-048970-5, 59,95 €

Band 96 der Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien: Paul Nolte (Hg.), Transatlantic Democracy in the Twentieth Century. Transfer and Transformation
Band 96 der Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien: Paul Nolte (Hg.), Transatlantic Democracy in the Twentieth Century. Transfer and Transformation

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